Reinickendorf : Busfahrer verprügelt Fahrgäste

Nach zahlreichen Attacken gegen BVG-Lenker mussten jetzt Fahrgäste vor einem Busfahrer geschützt werden. Wegen eines Burgers schlug der 40-Jährige auf zwei Insassen ein. Die Ermittler rätseln weiter über die Hintergründe der Tat.

Michael Stürzenhofecker

BerlinSein "Hausrecht" hat ein Busfahrer der Linie X9 gestern Abend in äußerst übertriebener Weise ausgeübt. Zunächst hinderte er zwei 22 und 25 Jahre alte Brüder am Flughafen Tegel am Einsteigen, weil der Ältere einen Hamburger aß. Als die Mahlzeit beendet war, stiegen die beiden Tschechen, die seit Jahren in Berlin leben, in den Bus ein und setzten sich in den hinteren Teil des Fahrzeugs. Der Busfahrer jedoch verfolgte sie an ihren Platz, drohte ihnen Schläge an und rief sie auf, umgehend den Bus zu verlassen.

Die Brüder verwiesen darauf, dass sie aufgegessen hätten und gültige Fahrausweise besäßen. Daraufhin griff der Fahrer den Jüngeren an und traktierte ihn mit Fußtritten und Schlägen ins Gesicht. Als der Ältere versuchte, seinem Bruder zu helfen und den Busfahrer festzuhalten, bekam auch er mehrere Faustschläge ins Gesicht.

Motiv weiter unklar

Erst als andere Fahrgäste hinzukamen, konnte der Mann überwältigt werden. Ein anderer BVG-Mitarbeiter, der den Vorgang beobachtet hatte, verständigte sofort die Polizei. Die beiden Brüder mussten wegen Verletzungen im Gesicht sowie an Armen und Beinen in ärztliche Behandlung. Aber auch der Busfahrer wurde in ein Krankenhaus gebracht, weil er über Atemnot und Schwächegefühl klagte.

Irritation herrscht weiter darüber, was den Fahrer zu diesem Ausbruch trieb. Nach ersten Zeugenaussagen kam es womöglich zu einem Wortwechsel, als die Brüder wieder in den Bus einstiegen. Alle Beteiligten waren sich jedoch einig, dass die Aggression eindeutig vom Fahrer ausging.

Ein rassistischer Hintergrund könne hingegen ausgeschlossen werden, so ein Polizeisprecher. Wahrscheinlicher wäre, dass der Fahrer in jüngster Zeit Opfer eines Übergriffs wurde und aus Angst überreagierte. In so einem Fall müsste der Mann therapiert werden. Andernfalls drohe ihm ein fristlose Kündigung, hieß es von der BVG. Diese entschuldigte sich inzwischen für den Vorfall und kündigte ein internes Verfahren an.

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