Reinickendorf : Jugendliche zielen mit Laserpointer auf Flugzeuge

Zwei 14- und 15-Jährige haben gestern Abend landende Flugzeuge am Flughafen Tegel geblendet. Es ist nicht das erste Mal, dass Piloten über Berlin mit Lasern attackiert werden.

Klaus Kurpjuweit
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Lichtattacke. Die Lotsen in Tegel traf der Strahl eines Laserpointers. Foto: padpa-Zentralbild

Mittels Laserpointer gefährdeten zwei Jugendliche gestern Abend den Flugverkehr des Flughafens Tegel in Reinickendorf. Mitarbeiter des Towers informierten gegen 19:40 Uhr die Polizei, nachdem Flugzeuge im Landeanflug und auch das Personal des Towers von Unbekannten geblendet worden waren. Beamte stellten an der Kreuzung Scharnweber-/Hechelstraße zwei 14 und 15 Jahre alte Jugendliche und einen 23-Jährigen.

Die beiden Jugendlichen räumten ein, mit dem Laserpointer des 14-Jährigen zunächst wahllos Objekte angestrahlt und ihn dann auch auf landende Flugzeuge gerichtet zu haben. Der 23-Jährige, der den beiden zufällig begegnet sein soll, hat sich nach den bisherigen Ermittlungen nicht daran beteiligt.

Während der Befragungen erschien eine 25-jährige Bäckerei-Verkäuferin und erklärte, von den Jugendlichen geblendet worden zu sein. Auch dies wurde von den Jungen eingeräumt. Der 23-Jährige wurde nach Personalienfeststellung am Ort entlassen. Die Jugendlichen wurden ihren Eltern übergeben, der Laserpointer wurde beschlagnahmt. Die Beamten leiteten Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr und gefährlicher Körperverletzung ein.

Weltweites Phänomen

Bereits im Oktober gab es in der Nähe der Flughäfen Tegel und Schönefeld Blendversuche auf landende Piloten durch Laserattacken von Unbekannten. Sollten Piloten tatsächlich kurzfristig geblendet werden, seien Katastrophen nicht auszuschließen, sagte der Sprecher der Flugsicherung in Berlin, Stefan Jaekel. Der Polizei ist es noch nicht gelungen, einen Täter festzunehmen.

Attacken auf Piloten mit Lasern gibt es inzwischen weltweit. In Australien mussten Piloten bereits mehrfach durchstarten, weil sie geblendet worden waren. Die amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA hat innerhalb von drei Monaten 84 derartiger Vorfälle registriert. In Deutschland wurden unter anderem aus Hamburg mehrfach solche Attacken gemeldet.

Gefährliche Laser werde über das Internet bestellt

Trifft ein Laserstrahl direkt aufs Auge, kann die Blindheit nach Jaekels Angaben, der sich dabei auf Aussagen von Piloten beruft, bis zu fünf Minuten dauern. Ertappte Täter können nach Paragraf 315 des Strafgesetzbuchs mit Haft zwischen sechs Monaten und zehn Jahren bestraft werden. Strafbar ist bereits der Versuch eines gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr.

Auf modernen Flughäfen wie in Berlin landen die Piloten zwar meist geführt von einem automatischen System, doch vor allem bei schlechtem Wetter setze die Cockpit-Crew häufig auf die Handsteuerung, sagte Jaekel weiter.

Moderne Lasergeräte können so stark sein, dass sie auf fünf Kilometer Entfernung landende Piloten zumindest stark irritieren können. Entsprechende Geräte seien in Deutschland offiziell aber nicht auf dem Markt, sagte Jaekel. Im Ausland seien sie jedoch zu beschaffen. Und im Internet werden solche Geräte schon für rund 100 Dollar angeboten. Dort gibt es sogar Anleitungen, wie man mit Teilen aus einem Computer starke Laserstrahler bauen kann.

In Australien soll es auch schon gebündelte Laserangriffe gegeben haben, an denen mehrere Personen beteiligt waren. Der Polizeiminister von New South Wales hat deshalb vorgeschlagen, starke Laser als „illegale Waffen“ einzustufen und zu verbieten. Landesweit sollen derzeit rund 100.000 dieser Geräte auf dem Markt sein. (mit dpa)

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