Reinickendorf : Überfall auf Geldtransport: Wachmann getötet

Mindestens drei Räuber schossen ohne Vorwarnung vor einer Postbank-Filiale in Reinickendorf - und flüchteten. Ein 53-jähriger Wachmann starb noch am Tatort. Ein Zusammenhang mit anderen Raubüberfällen wird nun geprüft.

Tanja Buntrock
Überfall
Auf Spurensuche: Der Tatort in Reinickendorf. Der Revolver liegt noch auf dem Pflaster. -Foto: ddp

Es waren gleich mehrere Schüsse, die am Montagmorgen an der Oranienburger Straße in Höhe Techowpromenade in Reinickendorf fielen und Passanten und Anwohner aufschrecken ließen: Mindestens drei Räuber lieferten sich vor der dortigen Postbank-Filiale eine Schießerei mit den Sicherheitsleuten einer Geldtransporterfirma. Ein 53-jähriger Wachmann wurde dabei durch mehrere Kugeln getötet. Einer der Täter soll ebenfalls getroffen worden sein und flüchtete anschließend verletzt mit seinen Komplizen und der Beute in einem Auto. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein.

Um kurz vor 10 Uhr hielt der Geldtransporter der Firma „Securlog“ an der Oranienburger Straße vor der Postbank-Filiale an. Ein Geldbote blieb wie üblich am Steuer des gepanzerten Fahrzeugs sitzen, der andere machte sich mit einem Geldbehälter auf den Weg in die Filiale, um Scheine zu liefern. „Wortlos und ohne Vorwarnung feuerten dann die drei oder vier Räuber auf den Geldboten“, sagte gestern ein Ermittler. Dem Wachmann gelang es noch, das Feuer mit seinem Revolver zu erwidern. Dabei wurde einer der Täter verletzt. Anschließend brach der Geldbote einige Meter vor dem Eingang der Postbank schwer verletzt zusammen. Die Täter entrissen ihm den Geldbehälter. Dann liefen sie zunächst zu Fuß zur nahe gelegenen Roedernallee. Dort stand ein Fluchtwagen bereit. Nach Zeugenaussagen soll es sich dabei um ein dunkles Fahrzeug, möglicherweise eine Mercedes A-Klasse, gehandelt haben. Im Fluchtwagen detonierte dann offenbar eine der außen an der Geldkassette angebrachten Farbbomben, die der Sicherung des Geldbehälters dienen. „Deshalb suchen wir nach einem Fahrzeug, das rote Farbanhaftungen hat“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald. Bei den Farbbomben handelt es sich um mit roter, nicht abwaschbarer Farbe gefüllte Beutel, von denen sich eine auch im Inneren des Behälters befindet: Wenn diese detoniert, sind die Scheine rot markiert und jederzeit als Raubbeute zu erkennen.

Nach Tagesspiegel-Informationen soll zufällig ein Krankenwagen kurz nach dem Schusswechsel am Tatort vorbeigefahren sein. „Einer der Sanitäter leistete dann sofort Erste Hilfe bei dem schwer verletzten Geldboten“, sagte ein Ermittler. Doch die medizinische Hilfe blieb erfolglos. Der Bote starb kurz vor 10.30 Uhr. Währenddessen versuchte der zweite Geldtransporteur, der am Steuer des Fahrzeug gewartet hatte, die Räuber noch zu verfolgen. Doch sie entkamen ihm. Bei ihrer Flucht sollen die Täter einen Motorradfahrer gerammt haben. Die Staatsanwaltschaft machte dazu gestern keine Angaben. Der Geldtransporteur fuhr zum Tatort zurück. „Er stand unter einem schweren Schock. Am Nachmittag wurde er von der Kripo vernommen“, sagte ein Polizeibeamter.

Die Polizei sperrte den Tatort im Umkreis von mehreren hundert Metern ab. Ein Hubschrauber der Bundespolizei kreiste am Himmel, um aus der Luft nach dem Fluchtwagen zu suchen. Die Beamten der Spurensicherung fotografierten Gegenstände neben der Blutlache vor dem Posteingang: Ein Revolver, eine rote Tasche, ein Basecap und ein blaues Erste-Hilfe-Heftchen. Ballistiker untersuchten einen am Straßenrand geparkten Ford Fiesta, dessen Seitenfenster ein Einschussloch aufwies – offenbar war während des Schusswechsels hier eine Kugel durch die Scheibe geflogen. Die Zeugen, die den Raubüberfall beobachtet hatten, wurden wenige Meter neben der Postbank in einer Filiale der Berliner Volksbank von der Polizei befragt.

Die Geldtransportfirma „Securlog“ mit Hauptsitz in Düsseldorf wollte sich zu dem Raubüberfall gestern nicht äußern. Auch zu dem getöteten Wachmann gab es keinerlei Angaben. Der 53-Jährige soll aber außerhalb Berlins im Brandenburgischen wohnen. Ob er Angehörige hinterlässt, wollte die Polizei gestern nicht mitteilen. Beide Geldboten sollen keine kugelsichere Schutzweste getragen haben. Auch dass sie zu zweit waren statt zu dritt – wie beispielsweise bei der Werttransportfirma Brinks üblich – sei nicht außergewöhnlich, sagte ein Ermittler.

Wie Oberstaatsanwalt Ralph Knispel gestern am Tatort sagte, hätten die Täter „äußerst brutal gehandelt“. Zusammenhänge zu anderen Raubüberfällen auf Geldtransporter werden nun geprüft. Mitte August 2006 war in Mahlsdorf ebenfalls ein 40-jähriger Wachmann bei einem Überfall auf einen Geldtransporter erschossen worden. Die Täter sind noch nicht gefasst.  

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