Revisions-Prozess : Angeblicher Feuerteufel unschuldig im Gefängnis?

Im September 2003 soll die Arzthelferin Monika de M. ihren Vater in dessen Neuköllner Haus mit Spiritus übergossen und angezündet haben. Dafür wurde sie zu lebenslanger Haft verurteilt. Zu Unrecht? Der Revisionsprozess vor dem Berliner Landgericht soll Aufklärung bringen.

Beatrix Boldt[ddp]

Insgesamt 888 Tage saß Arzthelferin Monika de M. im Gefängnis. Im Januar 2005 wurde die damals 49-jährige Frau von der 22. Strafkammer des Berliner Landgerichts des Mordes an ihrem kranken Vater sowie der schweren Brandstiftung schuldig gesprochen. Das Urteil lautete lebenslange Haft. Mit Brennspiritus soll sie im September 2003 das Haus ihres Vaters in Neukölln angezündet haben, um mit dem Geld aus der Hausratversicherung ein neues Leben zu beginnen.

Der 76-jährige Rentner war im Schlaf in den Flammen umgekommen. Ihr Lebensgefährte konnte sich damals mit einem Sprung aus dem Fenster retten. Zur Auszahlung der Versicherungssumme über 220.000 Euro kam es aber nicht. Schuldig oder nicht schuldig? Das wird der am Mittwoch beginnende Wiederholungsprozess zeigen. Die 29. Strafkammer des Landgerichts wird den Fall neu verhandeln.

Experten widersprechen sich

Fünf Mordmerkmale, darunter Habgier, hatten die Berliner Richter damals als erfüllt angesehen und die besondere Schwere der Schuld bejaht. Damit wäre eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen gewesen. Jedoch gab der Bundesgerichtshof (BGH) im Januar 2006 der Revision der Angeklagten statt und hob das Urteil auf. Seit März 2006 ist Monika de M. wieder auf freien Fuß.

Die Karlsruher Richter waren der Auffassung, dass die im Prozess "einander widersprechenden Gutachten zur Entstehung des Brandes" einer "eingehenderen Erörterung" im Einzelnen und einer "weitgehenderen Auseinandersetzung" im Urteil bedurft hätten. Mehrere Brandexperten, darunter auch von der Verteidigung bestimmte Sachverständige, waren im Laufe der sechsmonatigen Verhandlung zu Wort gekommen.

Monika de M. hatte stets ihre Unschuld beteuert. Sie habe weder ein Motiv gehabt ihren Vater zu töten, noch sei sie in der Lage gewesen, die von der Anklage benannten Mengen Brennspiritus zu beschaffen, sagte sie. Zehn Liter Brennspiritus soll sie im Haus ihres Vaters verteilt und angezündet haben.

Gutachten soll Brandursache klären

Ursächlich für den "Unglücksfall" war nach Auffassung der Verteidigung ein Glimmbrand, der sich ausbreitete und wahrscheinlich durch eine brennende Zigarette ausgelöst worden war. Monika de. M. hatte berichtet, dass ihr krebskranker Vater die Angewohnheit hatte, im Bett zu rauchen. Die Berliner Richter stützten ihr Urteil jedoch auf Feststellungen von Brandexperten des Landeskriminalamts, wonach typische Brandspuren, die auf einen flüssigen Brandbeschleuniger hinweisen, gefunden wurden. Außerdem sahen sie ein Mordmotiv in der damals "außerordentlich schwierigen und unlösbaren Lebenssituation" von Monika de M. Ihr Sohn war damals im Gefängnis, ihr Lebensgefährte ein Alkoholiker, der Vater todkrank und die Arzthelferin finanziell am Ende.

Das Schicksal von Monika de M. liegt auch im Wiederholungsprozess in den Händen einer Sachverständigen. Eine Expertin des Bundeskriminalamtes (BKA) hat zur Brandursache ein Gutachten erstellt. Es soll beweisen, dass keine Brandstiftung vorlag, also kein Brandbeschleuniger verwendet und Monika de. M. unschuldig ist.

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