Rockerkrieg : Mongols planten Bombenanschlag auf Hells Angels

Nach den Festnahmen von vier Rockern der Mongols geht die Polizei davon aus, dass die gefundenen Rohrbomben gegen die konkurrierenden Hells Angels eingesetzt werden sollten.

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Großspurig hatten sie angekündigt, mit Gewalt den Hells Angels das Revier streitig zu machen. Jetzt sitzen die meisten der Gruppe hinter Gittern. Nach der Razzia beim Mongols MC ordnete der Haftrichter am Donnerstag für vier Rocker im Alter von 25 bis 36 Jahren Untersuchungshaft an. Sie sollen einen 45-Jährigen erpresst haben. Weitere Haftbefehle sollen folgen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Erpressung, Bildung einer kriminellen Vereinigung, schwerer Raub und Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. Wie berichtet, hatten Mittwoch früh 120 Polizisten, unterstützt von einem Spezialeinsatzkommando, elf Rockerwohnungen in Reinickendorf, Neukölln, Spandau und Brandenburg gestürmt. Neun Mitglieder wurden festgenommen. Mit den beschlagnahmten Messern und Schlagstöcken hatten die Einsatzkräfte gerechnet. Doch der gefundene Sprengstoff und die beiden selbst gebauten Rohrbomben in der Wohnung eines 33-Jährigen in Reinickendorf haben selbst erfahrene Ermittler überrascht. Die Polizei geht davon aus, dass die Bomben bei einem Angriff gegen die Hells Angels eingesetzt werden sollten.

Die Auswertung der sichergestellten Beweise durch die für Bandenkriminalität zuständige Abteilung 4 des Landeskriminalamtes dauerte die ganze Nacht. Bisher waren die Mongols vor allem in Bremen aufgefallen. Vor wenigen Monaten kamen sie in die Hauptstadt. Erst vor zwei Wochen haben die Mongols ein drittes Chapter in Süddeutschland eröffnet.

In den USA gelten die Mongols als eine der brutalsten Rockervereinigungen

„Das ist der reinste Kindergarten“, sagte Ex-Mongols-Präsident Bernhard Denzinger dem Tagesspiegel. Vor vier Monaten hat er sich enttäuscht von der Gruppe abgewandt. „Keiner von denen hatte ein Motorrad, und die haben ständig nur dummes Zeug und Stress gemacht.“ Die Mitglieder-Kutten, die man sich normalerweise über Jahre erarbeiten muss, seien zuletzt „wie auf dem Altkleidermarkt“ verteilt worden. Mit dem, was Denzinger unter Rockerleben versteht, habe das nichts zu tun gehabt. Die Kriegserklärung der Berliner Mongols an die Rockerkonkurrenz hält er für dreist und gefährlich. „Wie viel Verstand hat jemand, der die Hells Angels herausfordert, die tausende Mitglieder in Deutschland haben?“, fragt er. Er schätzt, dass die Mongols-Deutschland nur noch wenige Monate existieren.

In den USA gilt der Mongols Nation Motorcycle Club – 1969 von Vietnam-Veteranen hispanischer Herkunft gegründet – als eine der brutalsten Rockervereinigungen. „Selbst die Hells Angels fürchten die Mongols“, sagte Stephen K. Martin, Abteilungsleiter bei der US-Bundesbehörde ATF, im Oktober bei der jährlichen Herbsttagung des Bundeskriminalamts. Die Mongols folterten ihre Gegner, auch Morde würden dem Rockerklub angelastet. Außerdem stünden die Rocker in Verbindung zur mexikanischen Drogenmafia und zu Straßenbanden junger Latinos in Los Angeles, sagte Martin. Aus den Banden hätten die Mongols zahlreiche Mitglieder rekrutiert. Laut Martin gibt es derzeit 56 Chapter der Mongols in den USA. Die US-Behörden sprechen von bis zu 850 Mongols im Land, davon 600 in Kalifornien.

Vor dem Haus eines Chefs der Mongols explodierten drei Sprengsätze

Das US-Justizministerium nennt die Mongols auf seiner Homepage „eine extrem gewalttätige, gesetzlose Motorradgang“. In den 1980er Jahren habe der Rockerklub im Süden Kaliforniens die Hells Angels verdrängt. Derzeit seien die Mongols verbündet mit den Bandidos und weiteren Rockervereinigungen, die alle als Feinde der Hells Angels auftreten. 2008 erschoss ein mutmaßlicher Mongol in San Francisco den „Präsidenten“ des regionalen Chapters der Hells Angels, Mark „Papa“ Guardado. Die Polizei setzte ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf den Täter aus. Der mutmaßliche Schütze stellte sich daraufhin, bestritt aber, Guardado ermordet zu haben. Aus Rache für den Tod ihres Anführers ließen die Hells Angels vor dem Haus eines Chefs der Mongols drei Sprengsätze explodieren.

Die US-Behörden haben die Mongols mehrmals mit Undercover-Agenten infiltriert. Der spektakulärste Fall ist der des ATF-Beamten William Queen, der unter dem Decknamen „Billy St. John“ bei den Mongols bis zum Schatzmeister aufstieg. Aufgrund der von Queen gesammelten Beweise wurden im April 2000 insgesamt 54 Mongols verhaftet.

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