Polizei & Justiz : Schlagartiger Einsatz von Elite-Polizisten

Beamte sollen 17-Jährigen misshandelt haben

Mitten in der Nacht krachte es. Vermummte Männer rammten die Tür ein und stürmten in die Wohnung. Die Eindringlinge sollten einen angeblichen Supermarkt-Räuber festnehmen. Sie vermuteten eine Waffe bei ihm. Wenig später lag der damals 17-jährige Erdal R. mit blutverschmiertem Gesicht auf dem Boden. Vier Angehörige eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei sollen ihn durch Schläge und Tritte übel zugerichtet haben. Drei Jahre nach dem umstrittenen Einsatz in Lankwitz stehen die Elite-Polizisten seit gestern vor Gericht.

Die SEK-Beamten sind 35 bis 42 Jahre alt. Drei von ihnen kamen mit einer Perücke getarnt. Zu ihrer Sicherheit, sagte einer der Verteidiger. Man soll sie auf der Straße nicht wiedererkennen. Zur Anklage wegen Körperverletzung im Amt äußerten sie sich über ihre Anwälte. „Die Vorwürfe sind absurd“, hieß es in der Erklärung des ältesten Angeklagten, der inzwischen zum Ausbilder beim SEK aufgestiegen ist. Es sei sehr bedauerlich, dass R. verletzt worden sei. Doch keiner der Angeklagten habe ihn misshandelt.

Der damals erste im Kommando, der Schutzschild-Träger, will nach eigenen Angaben auf dem dunklen Flur unabsichtlich mit R. zusammengestoßen sein. So könne es zu den Verletzungen gekommen sein. Erdal R. sei dann bäuchlings auf dem Bett gelandet. „Weil er die Arme unter dem Bauch hielt, mussten polizeilich gelernte Griffe angewandt werden“, sagte einer der Beamten.

Erdal R. hat die Minuten in der Nacht zum 30. April 2005 ganz anders in Erinnerung. „Ich lag im Bett und schlief“, sagte er. Ihm sei der Mund zugehalten worden. „Dann wurde auf mich eingeschlagen.“ Er habe gefragt, was das soll. „Da bekam ich einen Tritt in den Rücken.“ Er erlitt zahlreiche Prellungen und Schürfwunden, ein Zahn brach ab. Kurz darauf stellte sich heraus, dass R. unschuldig war. Die Festnahme habe sein Leben verändert, erklärte R. „Ruhig schlafen kann ich bis heute nicht.“ Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. K.G.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben