Schöneweide : Neonazis greifen Kameruner an

Erneut ist ein Mann aufgrund seiner Hautfarbe fremdenfeindlich beleidigt worden. Dies ist der vierte Übergriff innerhalb von zwei Wochen.

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Diesmal waren es zwei polizeibekannte Rechtsextremisten, die einen 43-jährigen Kameruner am Montag in einem Einkaufszentrum in Schöneweide bedrängten. Einer von ihnen ist der bekannte Neonazi und Anführer der verbotenen Kameradschaft „Frontbann 24“ Uwe D..

Der 48-Jährige und sein 24-jähriger mutmaßlicher Komplize gingen laut Polizei gegen 19.15 Uhr in ein Einkaufszentrum in der Schnellerstraße in Schöneweide. Dort trafen sie auf den Kameruner, der gerade mit seiner Frau den Markt verlassen wollte. Einer der beiden Neonazis machte daraufhin eine „abfällige Bemerkung“ über den Mann, hieß es bei der Polizei. D. und sein Begleiter bedrängten laut Polizei den 43-Jährigen. Dieser schubste daraufhin einen der beiden weg. Da die Neonazis nicht von ihm abließen, rief die Ehefrau des Opfers die Polizei. Gegen die beiden polizeibekannten Rechtsextremisten wird wegen Beleidigung und Körperverletzung ermittelt. Doch D. und sein Begleiter wurden kurze Zeit später erneut auffällig: Zivilpolizisten beobachteten die beiden Tatverdächtigen mit vier weiteren Begleitern, die lautstark rechte Parolen riefen. Sie fuhren zunächst mit einem Bus der Linie M11 davon, konnten aber an der Haltestelle Neuköllner Straße angehalten und überprüft werden. Nach der Anzeigenaufnahme durften die Männer weiterfahren. Der Staatsschutz ermittelt.

Der Köpenicker Ortsteil ist als Neonazi-Hochburg bekannt. Unter anderem befindet sich dort auch die berüchtigte rechte Szenekneipe „Zum Henker“. Uwe D. war der führende Kopf der Kameradschaft „Frontbann 24“, die im November 2009 vom scheidenden Innensenator Ehrhart Körting (SPD) verboten wurde. Sein Sohn Gordon D. tritt als rechtsextremer Liedermacher unter dem Namen „Midgards Stimme“ auf. Uwe D. ist von der Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Volksverhetzung und Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen sowie Verherrlichung von Gewalt und übler Nachrede angeklagt worden. Ein Prozess fand noch nicht statt. Im Juli 2011 war gegen ihn wegen eines weiteren Vorfalls bereits Strafbefehl ergangen.

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