Schöneweide : Tödliche Begegnung in der Tram

Es begann mit einer harmlosen Rempelei am S-Bahnhof Schöneweide und endete mit einem Stich ins Herz: Ein 18-Jähriger muss sich wegen eines tödlichen Messerangriffs vor Gericht verantworten.

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Alles begann mit einer harmlosen Rempelei im Berufsverkehr. Plötzlich standen sich der 18-jährige Dennis G. und ein 39-jähriger Fahrgast am S-Bahnhof Schöneweide aufgebracht gegenüber. Es wurde laut, es fielen Beschimpfungen. Sie schlugen sich und wurden von Passanten zur Räson gebracht. Kurz darauf trafen sie sich in einer Tram wieder. Die Provokation war, so erklärten Zeugen später, von dem Älteren ausgegangen. Dennis G. aber zog ein Messer. „Ich hatte Todesangst, ich stach ungezielt zu“, sagte er am Donnerstag im Prozess wegen Totschlags vor einem Jugendgericht.

Eigentlich will Dennis G. an jenem Nachmittag im August letzten Jahres in guter Stimmung gewesen sein. „Ich freute mich auf meine Fahrschulstunde“, sagte er. Seine 17-jährige Freundin begleitete ihn. Sie kannten sich seit etwa zwei Monaten. G. stand kurz davor, eine Ausbildung zum Fahrradmechaniker zu beginnen. Er ließ sich dennoch auf den Streit ein, den das spätere Opfer gesucht haben soll.

Beim ersten Zoff setzte Dennis G. „vorsichtshalber die Brille ab“. Er habe die Sache klären wollen, sagte er nun. Seine Freundin dagegen erkannte die Sinnlosigkeit. „Sie wollte mich wegziehen.“ Der Kontrahent drosch zu, G. schlug zurück. „Er sah gefährlich aus“, nuschelte der Angeklagte. G. zog am S-Bahnhof den Kürzeren und atmete auf, als er in einer Tram der Linie 21 saß. Ein Mann, der ihm geholfen hatte, saß ihm gegenüber. Als auch der Gegner von der S-Bahn in der Tram auftauchte, steckte der „Helfer“ dem Jugendlichen ein Klappmesser zu; „für den größten Notfall“, soll er gesagt haben, bevor er ausstieg.

Es war wohl wieder der 39-Jährige, der eine erneute Rangelei provozierte. „Er schlug mit der Faust zu, drückte dann meinen Kopf gegen seine Brust“, sagte der Angeklagte – der daraufhin zustach. Das Messer traf den Kontrahenten ins Herz. „Ich wollte ihn doch nicht töten“, beteuerte G. und berief sich auf Notwehr. Der Prozess geht Dienstag weiter.

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