Schusswaffeneinsatz : Polizeipräsident Glietsch: Es war Notwehr

Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch rechtfertigt den Schusswaffeneinsatz des Polizeibeamten, der am Wochenende in Friedrichshain attackiert wurde.

Jörn Hasselmann

Die fünf Heranwachsenden, die am Sonntagfrüh einen Zivilpolizisten überfallen hatten, wollten den Mann berauben. Dies sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch gestern im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Der Beamte war zu Boden geschlagen und getreten worden. In dieser bedrängten Lage hatte der am Boden liegende 33-Jährige, wie berichtet, zunächst einen Warnschuss abgegeben. Zudem habe er sich laut als Polizeibeamter zu erkennen gegeben. Da die Gruppe ihre Attacken dennoch nicht stoppte, schoss der Polizist dem 19-jährigen Hauptangreifer Yassin G. dann gezielt in den Unterschenkel.

Die fünf jungen Männer waren festgenommen worden, kamen jedoch am Sonntagabend wieder auf freien Fuß. Glietsch betonte, dass die Angreifer den Beamten nicht als Polizisten erkannt hatten. Dem Vernehmen nach wollte G. dem – eher abgerissen als leger gekleideten – Beamten eine „Abreibung“ verpassen, sein Mittäter dagegen hatte ausgesagt, den Mann auch beraubt haben zu wollen. Einer der alkoholisierten Täter hatte nach dem zweiten Schuss dem am Boden liegenden 33-Jährigen die Dienstwaffe aus der Hand getreten.

Danach waren die fünf 18- bis 19-Jährigen geflüchtet, waren aber 150 Meter weiter von Kollegen des Beamten eingeholt und festgenommen worden. Die Waffe war, wie berichtet, erst Stunden später in einem Laubhaufen wiedergefunden worden.
Glietsch sagte gestern, dass der Beamte alleine in den Park gegangen war, um von dort unauffällig die Personengruppe zu beobachten, die zuvor als mögliche Autobrandstifter gemeldet worden war. Gegen den 33-Jährigen wird jetzt routinemäßig wegen des Schusswaffengebrauchs ermittelt. Der Einsatz sei nicht zu beanstanden, sagte der Polizeipräsident gestern, sondern „in Notwehr völlig richtig“ gewesen.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) lobte die Reaktion als äußerst besonnen. „Der Beamte hätte auch in Panik geraten können“ und dem Angreifer in den Oberkörper zielen können. BDK-Chef Rolf Kaßauer lobte, dass die Polizeiführung das Schießtraining nach den tödlichen Schüssen auf den Beamten Uwe Lieschied vor drei Jahren deutlich verbessert habe.  So sei das Training nun absolut realistisch, per Videoeinspielung werden die Beamten vor schwierige Situationen gestellt und müssen dann schnell entscheiden – und gut zielen. Zuvor war meist nur starr auf eine Zielscheibe geschossen worden.

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