Schweinegrippe : Berliner Polizei ordert 400.000 Schutzmasken

Die Behörden und Unternehmen in Berlin rüsten sich gegen die Schweinegrippe - viele Urlauber kehren bald aus den Ferien zurück. Der Senat will zudem einen Krisenplan zur Leichtathlethik-WM vorstellen, die am Samstag beginnt.

Nana Heymann/Carl-Friedrich Höck
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Nur mit Mundschutz. Die Masken sollen die Viren fernhalten. Foto: dpadpa

BerlinDie Ferien sind zur Hälfte herum, viele Berliner kehren nach Hause zurück und am Sonnabend startet die Leichtathletik-WM: Behörden und Unternehmen müssen sich darauf einrichten, mit neuen Schweinegrippenfällen konfrontiert zu werden. 264 Fälle sind mittlerweile registriert. Die meisten Betroffenen steckten sich im Urlaub mit den H1N1-Virus an. Am kommenden Mittwoch wollen Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) und Sportsenator Ehrhart Körting (SPD) die Öffentlichkeit informieren, wie die Behörden mit dem Grippeproblem zur Leichtathlethik-Weltmeisterschaft umgehen wollen.

Das Landeslabor Berlin-Brandenburg, das die so genannten PCR-Tests zum Nachweis des H1N1-Erregers macht, richtet sich bereits auf Mehrarbeit ein. Sind es derzeit täglich zwischen 50 und 100 Patientenproben, könnten im Höchstfall auch 200 bearbeitet werden. Sollte der Andrang während der WM steigen, kann auch auf den Standort Frankfurt (Oder) ausgewichen werden.

Meistens ist es die Feuerwehr, die bei Grippeverdacht gerufen wird. „Bei uns werden umfangreiche Vorkehrungen getroffen“, sagt denn auch ein Sprecher der Feuerwehr. So seien beispielsweise zusätzliche Mengen an Tamiflu eingelagert worden. Als Anfang Juli am Humboldt-Gymnasium in Köpenick Schüler über Symptome klagten, wurden einige von ihnen per Feuerwehr ins Krankenhaus gefahren. Zum Schutz trugen alle Fahrzeuginsassen Mundschutz.

Von solchen Präventivmaßnahmen ist man bei der Polizei noch entfernt, zumindest sollen Streifenpolizisten nicht grundlos maskiert patrouillieren. „Damit würden wir nur Panik schüren“, sagt ein Sprecher. Dennoch wurden 400 000 Atemschutzmasken für die 23 000 Beschäftigten bestellt für den Fall, dass sich das Virus weiter ausbreitet. Intern ist eine 20-köpfige „Planungsgruppe Pandemie“ eingerichtet worden. „Auch wenn der schlimmste Fall eintritt, muss die Polizei funktionsfähig bleiben“, heißt es im Präsidium. Die Arbeit ist offenbar erfolgreich: Als ein Polizist sich mit dem H1N1-Virus infizierte, konnte eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Kein Kollege steckte sich an.

Großunternehmen wie Schering haben ebenfalls Krisenpläne für die Mitarbeiter erstellt. Beim Pharmahersteller greift man auf Erfahrungen zurück, die beim Ausbruch der Vogelgrippe gesammelt hat. Den Plan von damals habe man nun an die Schweinegrippe angepasst, sagte eine Unternehmenssprecherin. So soll sichergestellt sein, dass die Produktion nichts ins Stocken gerät, wenn große Teile der Belegschaft erkranken.

Ganz pragmatisch gehen auch die Potsdamer Platz Arkarden mit der Grippegefahr um. Vielerorts ließen die Centermanager Desinfektionsmittel-Spender anbringen. Auch das Hotel Estrel rüsteteauf, wo viele WM-Sportler wohnen. Denn eine Ausbreitung der Krankheit lässt sich durch einfache Vorsichtsmaßnahmen relativ gut zu verhindern: regelmäßig Hände waschen und engen Körperkontakt vermeiden. Und natürlich immer in die Armbeuge niesen.


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