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Schwerpunktkontrollen : Für 4000 Radler fängt der Frühling teuer an

Knapp 9.000 Radfahrer sind in den vergangenen zwei Wochen kontrolliert worden. Fast 1800 wurden bei der Überquerung einer roten Ampel erwischt. Aber auch Autofahrer waren von den stadtweiten Schwerpunktkontrollen betroffen.

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Alles in Ordnung? Die Polizei kontrollierte vor Ostern schwerpunktmäßig Radfahrer in der Stadt. Foto: Kai-Uwe Heinrich

„Bitte halten Sie mal kurz an, wir möchten einen Blick auf Ihr Fahrrad werfen!“ Knapp 9000 Radfahrer mussten sich vermutlich diesen oder ähnliche Sätze in den letzten zwei Wochen anhören und eine eingehende Kontrolle ihres Zweirads über sich ergehen lassen. Aber auch Autofahrer waren von den stadtweiten Schwerpunktkontrollen der Ordnungshüter betroffen. Bei rund 1500 Autofahrern holten die Beamten ebenfalls die Kelle raus. Ziel der Polizeiaktion war es, mit Beginn der Radfahrersaison „für mehr gegenseitige Rücksicht zwischen Radfahrern, Fußgängern und Kraftfahrern zu werben“. Daher führten die Polizisten auch „mehrere tausend aufklärende Gespräche“ und verteilten hunderte Informationsbroschüren.

Die Beamten wollen die Radfahrer für „typische Fehlverhaltensweisen“ sensibilisieren, die am häufigsten zu Unfällen führen. Die Kontrollen fanden deshalb vor allem an Kreuzungen statt, an denen es in der Vergangenheit mehrfach Unfälle gab. Trotz der stetig sinkenden Zahl von Verkehrsunfällen mit Beteiligung von Radfahrern verunglückten im vergangenen Jahr noch fast 5000. Durchschnittlich 20 Mal am Tag gab es einen Radunfall. Neun Radler starben, 539 wurden schwer verletzt, 4286 leicht. Vor allem das Befahren von Gehwegen und die Benutzung von Radwegen in verbotener Richtung seien häufige Unfallursachen, betont die Polizei. Besonders gefährlich sei es, dass immer mehr Radfahrer einfach bei rotem Ampellicht fahren. Autofahrer wiederum übersehen Radler häufig beim Abbiegen.

Mehr als 4000 Radfahrer müssen jetzt mit saftigen Bußgeldern rechnen. Fast 1000 davon waren unerlaubt auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen unterwegs. Rund 500 bekamen eine Strafe wegen einer „Geisterfahrt“ auf dem Radweg, fast 1800 wurden wegen des Überfahrens einer roten Ampel bestraft. Über 1000 Zweiräder hatten so erhebliche Mängel, dass Anzeige gestellt wurde. Zudem erwischte die Polizei vier sogenannte „Fixies“; Fahrräder, die ohne Bremsen, Beleuchtung sowie Klingel unterwegs sind und vor allem bei jungen Leuten und Fahrradkurieren beliebt sind. Die Namen der Fahrer gelten nun als polizeibekannt. Werden sie erneut erwischt, wird das Fahrrad von der Polizei eingezogen.

Die meisten Autofahrer kamen mit einer Verwarnung davon. Eine Anzeige erhielten 140 Fahrer, die bei rot über die Ampel fuhren. 68 weitere müssen Bußgelder zahlen, weil sie beim Rechtsabbiegen die Vorfahrt parallel fahrender Radfahrer ignorierten.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) kritisierte die Polizeikontrollen am Dienstag. „Wir fragen uns nach der Bilanz, ob mit solcher Form der Kontrollen überhaupt Unfälle verhindert werden können“, sagte ADFC-Landeschefin Sarah Stark. Anstatt fehlende Beleuchtungen zu kontrollieren, hätte die Polizei vielmehr Augenmerk auf zu dicht überholende Autofahrer und den toten Winkel legen sollen. „Er ist die Hauptursache für tödliche Radunfälle“, sagte Stark. Fehlende Schulterblicke von Autofahrern seien aber im Rahmen der Aktion nicht geahndet worden. Johannes Radke

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