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Sechs Menschen in Pinnow/ Uckermark verletzt : Explosion in Firma für Munitionsbeseitigung

2004 gab es im Werk die letzte tödliche Explosion. In der Firma rüsten mehrere Nato-Staaten ab. Auch Sowjet- und NVA-Munition wurden hier vernichtet.

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Zerstört. Bereits 2004 hatte es in der Firma eine schwere Explosion gegeben.
Zerstört. Bereits 2004 hatte es in der Firma eine schwere Explosion gegeben.Foto: dpa

Zwei Explosionen mit tragischen Folgen erschütterten am Donnerstagvormittag das Gelände des Fachbetriebs für Munitionsentsorgung Nammo Buck in Pinnow bei Angermünde in der Uckermark. Dabei erlitt ein 33 Jahre alter Beschäftigter so schwere Verletzungen, dass er mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus Marzahn geflogen werden musste. Über seinen Zustand war zunächst noch nichts bekannt.

„Nach der ersten Explosion gab es noch eine zweite“, sagte ein Polizeisprecher. „Dabei wurden ein weiterer Angestellter des Werks und zwei Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr verletzt.“ Einer von ihnen konnte am Nachmittag das Krankenhaus in Schwedt wieder verlassen. Die Helfer waren an die im Freien gelegene Unfallstelle geeilt, um den Verletzten zu bergen. In diesem Augenblick kam es zu einer zweiten Explosion. Dabei zogen sich ein Notarzt und ein Sanitäter leichte Verletzungen zu und mussten ebenfalls ärztlich behandelt werden.

Unfall passierte während Versuchsreihe

Über die Ursache beider Unglücke konnte am Donnerstag noch nichts mitgeteilt werden. Sie hätten sich während einer Versuchsreihe zu neuen Entsorgungsaufträgen ereignet, hieß es von der Geschäftsleitung. Bei der Entschärfung eines Munitionsteils sei es zur Explosion gekommen. Kriminaltechniker haben ihre Ermittlungen auf dem ohnehin weiträumig abgesperrten Betriebsgelände aufgenommen. An Gebäuden traten keine Schäden auf.

Das Werk gehört seit 1999 zum norwegischen Konzern Nammo, der weltweit mehrere Werke zur Demontage von Munition betreibt. In den 1930er Jahren war in einem Waldgebiet mit der Produktion von Munition begonnen worden. Zu DDR-Zeiten wurden hier Flugabwehrraketen sowjetischer Bauart gewartet und zeitweilig Panzerabwehrraketen hergestellt. In der Region trug das Dorf daher den Beinamen „Raketen-Pinnow“. Nach der Wiedervereinigung spezialisierte sich das Werk auf das Gegenteil: Nun stand die Abrüstung im Vordergrund.

Letzter Unfall ereignete sich vor elf Jahren

Unter internationaler Aufsicht verloren Raketen ihre Sprengköpfe, Panzer ihren Motor und ihre Kanone und Munition ihre Zünder. Vor allem Bestände aus der einstigen Sowjetarmee und der Nationalen Volksarmee sind hier vernichtet worden. Inzwischen lassen mehrere Nato-Staaten und andere Länder hier ihre Waffen und Raketen fachgerecht zerlegen. Ein Museum gibt Einblick in die streng abgeschirmte Arbeit der Belegschaft.

Zuletzt gab es im Jahr 2004 einen folgenschweren Unfall. Ein 51-jähriger Mitarbeiter verlor bei der Vorbereitung auf eine Sprengung sein Leben. Insgesamt hat es in Pinnow seit 1990 drei Todesopfer gegeben. In Brandenburg gibt es mit dem Spreewerk Lübben einen zweiten Munitionsentsorger.

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