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Silvesternacht in Berlin : Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz

Viele Brände, mindestens 14 Verletzte in der Berliner Silvesternacht. Bei der Party am Brandenburger Tor gab es sechs Anzeigen wegen sexueller Belästigung, an der Oberbaumbrücke fuhr eine Frau in eine Menschenmenge.

Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr stehen auf der Festmeile vor dem Brandenburger Tor.
Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr stehen auf der Festmeile vor dem Brandenburger Tor.Foto: dpa

Für die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Polizei hat das neue Jahr mit viel Arbeit begonnen. Die Pressestelle der Berliner Polizei wollte am frühen Morgen noch keine Bilanz ziehen. "Wir sind noch am Sichten", sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. Es habe viele Verkehrsunfälle, Auto- und Wohnungsbrände und Verletzte gegeben. Genauere Angaben konnten zunächst nicht gemacht werden.

Mit dem Einsatz der Polizei auf der Festmeile am Brandenburger Tor zeigte sich der Einsatzleiter Andreas Sydow noch in der Nacht zufrieden. "Wir blicken auf einen erfolgreichen Einsatz zurück", schrieb er über den Kurznachrichtendienst Twitter. Die große Mehrheit der Besucher habe ausgelassen, aber friedlich gefeiert, so Sydow. 1500 Polizisten hatten die Festmeile gesichert, insgesamt waren 3500 Beamte in der Nacht im Einsatz. Über Twitter gab die Polizei allerdings auch bekannt, dass auf dem Festgebiet vereinzelt Frauen sexuell belästigt wurden.

Am Mittag erklärte die Polizei, dass es zu mindestens sechs Anzeigen von Frauen gekommen sei, die auf dem Festgelände oder auf dem Weg dorthin belästigt worden sind. "Alle Fälle haben sich vollkommen unabhängig voneinander ereignet", sagte eine Sprecherin der Polizei. In einem Fall sei eine Frau am Po begrapscht worden, in einem anderen Fall habe sich ein Exhibitionist entblößt. Fälle von Männergruppen, die gezielt Frauen bedrängt hätten, wie es vor einem Jahr in Köln passiert war, waren der Pressestelle nicht bekannt. Zwei Verdächtige, einen 20-Jährigen und einen 26-Jährigen, konnte die Polizei unabhängig voneinander festnehmen. Nach Polizeiangaben konnten zwei Frauen den Polizisten den jeweiligen Tatverdächtigen zeigen.

Am Brandenburger Tor sind die Kontrollen streng

Am Brandenburger Tor wurde friedlich gefeiert. Um Mitternacht ist dann wieder alles wie immer. Die letzten zehn Sekunden des Jahres werden im Chor runtergezählt, dann knallen Sektkorken, Böller und Raketen über Tiergarten und Berlin ist ins neue Jahr gerutscht.

Zwei Stunden zuvor war die Stimmung auf der Festmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule aber noch etwas verhaltener. Vorne, wo Stars wie DJ Bobo, die Venga Boys und Max Giesinger auftreten, ist zwar schon um halb acht wieder alles voll, aber schon beim Riesenrad auf Höhe Yitzhak-Rabin-Straße stehen nur noch verstreut Menschen und schauen sich die Show auf Leinwänden an. „Es ist leerer als sonst“, findet eine Besucherin aus Lichtenberg, die mit ihren Freundinnen bereits das zehnte Jahr in Folge mitfeiert.

Auch an den Getränkeständen ist nur wenig los. „Das ist bis jetzt viel zu wenig. Weniger als letztes Jahr“, sagt ein Glühweinverkäufer. Er berichtet, dass andere Händler ihre Stände nach dem Anschlag am Breitscheidplatz spontan abgesagt hätten. „Der Anschlag vor Weihnachten hat den Leuten die Feierlaune verdorben“, sagt der Glühweinverkäufer und wartet weiter auf Kundschaft.

Die steht teilweise noch in langen Schlangen vor den Einlasskontrollen. Jede Handtasche wird durchsucht, jeder Besucher abgetastet. Größere Rucksäcke und Taschen dürfen nicht mit reingenommen werden. Dazu stehen überall Polizisten mit Maschinengewehren. 1500 Beamte sind auf der Festmeile, 3500 in ganz Berlin unterwegs. Als Reaktion auf den Anschlag sind zusätzlich hunderte Betonklötze aufgebaut, gepanzerte Fahrzeuge bewachen alle Zufahrtsstraßen.

An der Oberbaumbrücke fährt eine Frau in Menschenmenge

Eine Frau hat in der Silvesternacht um kurz nach 1 Uhr an einer Brücke in Berlin-Kreuzberg die Kontrolle über ihr Auto verloren und ist in eine Menschenmenge gefahren. Dabei wurden zwei 19-Jährige schwer verletzt. Angesichts dieses glimpflichen Ausgangs könne man von einem „Silvesterwunder“ sprechen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Autofahrerin war den Rettungskräften zufolge vermutlich mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Oberbaumbrücke gefahren. In einer Kurve verlor sie allem Anschein nach die Kontrolle über ihren Sportwagen. Wie die Polizei am Mittag mitteilte, stellten die Beamten Alkohol in der Atemluft fest. Nach einer erfolgten Atemalkoholmessung wurde eine Blutentnahme angeordnet und ihr Führerschein beschlagnahmt.

In Neukölln gelang es der Polizei zwei mutmaßliche Randalierer festzunehmen. Zeugen hatten kurz nach 1 Uhr mehrere Männer beobachtet, die einen in der Emser Straße Ecke Hermannstraße abgestellten Chevrolet auf die Fahrbahn rollten, alle Scheiben zerschlugen, die Türen verbogen und im Anschluss das Auto mit Pyrotechnik in Brand setzten. Die Polizei nahm zwei Verdächtige im Alter von 19 und 22 Jahren fest. Nachdem die Feuerwehr das Feuer gelöscht hatte, wurde das Auto sichergestellt.

In Schöneberg in der Bülowstraße, in Mitte in der Exerzierstraße sowie in Gesundbrunnen in der Usedomer Straße wurden außerdem Autos angezündet. In allen Fällen übernahm das jeweils zuständige Brandkommissariat beim Landeskriminalamt die Ermittlungen.

Feuerwehr im Dauereinsatz - 14 Verletzte durch Böller

Auch die Berliner Feuerwehr musste in der Nacht hunderte Einsätze fahren. Allein zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens seien es 760 Einsätze gewesen, schrieb die Feuerwehr via Twitter. Bis zum Morgen stieg die Zahl auf 1585, wovon 432 Brände waren. Im letzten Jahr hatte es 1361 Einsätze gegeben. Wie im vergangenen Jahr war die Feuerwehr in der Silvesternacht mit der größtmöglichen Besetzung von 1579 Beamten im Einsatz - dreimal so viele wie sonst. "Sehr häufig kam es zu Bränden auf Balkonen, wahrscheinlich durch verirrte Silvesterraketen", hieß es bei der Feuerwehr.

Besonders dramatisch entwickelte sich die Nacht für die Bewohner eines Mehrfamilienhauses in der Bergfriedstraße in Kreuzberg. Dort waren gegen 1:15 Uhr zwei Autos und Gerümpel in einer Tiefgarage in Brand geraten. Die Feuerwehr musste die 15 Bewohner vorsorglich in Sicherheit bringen. Verletzt wurde hier aber niemand.

Beim Hantieren mit Feuerwerk haben sich in der Silvesternacht wieder etliche Menschen schwer verletzt. Bis zum frühen Sonntagmorgen seien im Unfallkrankenhaus Berlin 14 Menschen mit schweren, durch Feuerwerk verursachten Verletzungen behandelt worden, sagte Pressesprecherin Angela Kijewski. In den meisten Fällen hätten explodierende Böller Körperteile abgerissen oder diese so schwer verletzt, dass sie amputiert werden mussten. Unter den Schwerverletzten war auch ein Kind. Ein 31-jähriger Mann wurde mit schweren Gesichtsverletzungen in die Klinik gebracht. Zuvor hatte er eine Kugelbombe gezündet, die ihn lebensbedrohlich verletzte. In der Silvesternacht vor einem Jahr waren insgesamt 21 Menschen mit durch Sprengstoff verursachten Verletzungen in das Unfallkrankenhaus in Marzahn eingeliefert worden. (mit dpa)

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