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Sommerbad : Mädchen angeblich von 90 Angreifern aus Freibad gejagt

Ein Streit zwischen zwei jugendlichen Schwimmbad-Besucherinnen in Pankow soll sich sich am Donnerstag zu einer Schlägerei entwickelt haben. Dabei sollen bis zu 90 Mädchen zwei unterlegene 14-Jährige mit Gewalt aus dem Freibad gejagt haben. Die Polizei ermittelt wegen des Gewaltvorfalls. Die Betreiber zweifeln an der Darstellung der Opfer.

Vor Dutzenden Angreifern soll am Dienstagabend ein 14-jähriges Mädchen aus dem Freibad Pankow geflüchtet sein. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, habe sich das Mädchen in der Nähe eines Schwimmbeckens aufgehalten, als es von einer ihr unbekannten Jugendlichen beleidigt worden sei. Die 14-Jährige konterte laut Polizei und fing sich eine Ohrfeige ein, woraufhin sie sich in die Umkleidekabinen flüchtete. Als eine Freundin ihr dort zu Hilfe eilte, soll die Gruppe der Angreifer auf bis zu 90 Personen angewachsen sein. Die Mädchen gaben an, getreten und geschlagen worden zu sein, bis ihnen schließlich die Flucht von dem Gelände gelang. Im Krankenhaus wurden die beiden ambulant behandelt. Die Mutter eines der Opfer erstattete Anzeige. Die Polizei ermittelt jetzt auch gegen den Sicherheitsdienst des Schwimmbades wegen des Verdachts auf unterlassene Hilfeleistung

Das Wachpersonal hat nach eigenen Angaben von dem Vorfall nichts mitbekommen. Am Freitag konnte im Freibad keiner bestätigen, Zeuge einer Auseinandersetzung geworden zu sein. Einzig eine Imbissmitarbeiterin sagte, dass fünf Mädchen „südländischer Abstammung“ kurz vor Badschließung Süßigkeiten gekauft und dabei laut gesagt haben sollen: „Jetzt schlagen wir die Deutsche.“ Ein Verkäufer habe daraufhin die Sicherheitsleute angefunkt. Der Leiter der Gruppe, der zur Tatzeit im Dienst war, bestreitet das. Er habe keine Hinweise erhalten. Dass es zu einem gewaltsamen Übergriff gekommen ist, könne er aber nicht ausschließen: „Wir waren am Dienstag mit vier Mann im Einsatz. Bei mehr als 5000 Gästen können wir nicht alle im Auge behalten.“ Gerade zur Tatzeit hätten sie zudem an anderer Stelle alle Hände voll zu tun gehabt: „Um 19.30 Uhr ist die Badezeit zu Ende. Dann stürmen stets zahlreiche Besucher zur Rutsche und ignorieren, dass das Wasser abgestellt wird. Wir müssen immer wieder den Treppenturm räumen.“ In den Umkleiden entstehe abends ohnehin meist ein solches Gedränge, dass niemand den Überblick behalten könne. Einen Massentumult mit bis zu 90 Beteiligten halte er jedoch für äußerst unwahrscheinlich. Der zuständige Regionalleiter der Bäderbetriebe, Klaus Schulze, zweifelt ebenfalls an der Darstellung. „Bei einer Prügelei dieser Größenordnung wäre ich sofort informiert worden.“ Entgegen den Äußerungen des Wachmannes gab er an, der Sicherheitsdienst habe den Streit zwischen den Mädchen zwar registriert, ein Einschreiten aber nicht für nötig gehalten, weil er von äußerst geringem Ausmaß gewesen sei. Die Polizei wollte sich mit Verweis auf die Ermittlungen nicht weiter äußern.

Erst 2008 waren bei den Berliner Bäderbetrieben die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Im Sommerbad Wuhlheide hatten Vandalen einen Schaden von 260 000 Euro angerichtet, im Prinzenbad kam es 2004 sogar zu einer Messerstecherei. Auch im Sommerbad Pankow ist es nicht die erste Prügelei unter Gästen. 2006 gerieten dort an die 100 Besucher aneinander. Viele von ihnen sollen wie im aktuellen Fall Migrationshintergrund gehabt haben. Michelle S. und Madina D., beide 13 Jahre alt, lassen sich aber nicht vom Baden abhalten. „Irgendwer pöbelt hier immer, wir sind das gewohnt und kommen trotzdem her.“

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