Spandau : Brandstiftungen in Serie: Polizei fasst Verdächtigen

Ein 22-Jähriger soll in Spandauer Hausfluren und Kellern gezündelt haben. In Neukölln gehen dagegen die Brandstiftungen weiter, zu den Fällen haben die Ermittler bislang keine Spur.

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Feuer in Serie. Erneut brannte es in der Nacht zum Donnerstag im Keller eines Hochhauses im Neuköllner Theodor-Loos-Weg 16. Die Ermittler gehen auch hier von Brandstiftung aus. Verletzt wurde niemand.
Feuer in Serie. Erneut brannte es in der Nacht zum Donnerstag im Keller eines Hochhauses im Neuköllner Theodor-Loos-Weg 16. Die...Foto: Tzscheuschner

Im Zuge der Serie von Brandstiftungen in ganz Berlin hat die Polizei erstmals einen mutmaßlichen Täter gefasst. Am Mittwochabend wurde der 22-jährige Dennis K. in seiner Wohnung im Spandauer Ortsteil Staaken festgenommen. Am Donnerstagabend wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen. Der Mann steht im Verdacht, in dieser Woche drei Brände in Hausfluren und Kellern in seiner unmittelbaren Nachbarschaft in Staaken gelegt zu haben. Mieter wurden in allen drei Fällen nicht verletzt.Die Polizei sucht aber weiter nach den Tätern der bislang schwersten Brandstiftung in der Sonnenallee am 13. März. Hier waren drei Menschen, darunter ein Säugling, ums Leben gekommen. Der Festgenommene in Staaken sei „ein typischer Nachahmungstäter“, sagte ein Ermittler.

Der Verdächtige ist der Sohn des Hausmeisters eines betroffenen Gebäudes am Staakener Cosmarweg. Das erste Mal hatte am Montag ein kleiner Schrank im Flur des fünften Obergeschosses des Hauses gebrannt, in dem der junge Mann selbst wohnt. Schon da war Anwohnern sein merkwürdiges Verhalten aufgefallen. Am Dienstag ging dann zwei Aufgänge weiter im Flur Hausrat in Flammen auf. Schräg gegenüber im Pillnitzer Weg wurden schließlich am Mittwoch im Keller ein abgestelltes Sofa sowie ein Couchtisch in Brand gesetzt. Die Flammen griffen auf die Holzverkleidung zweier Kellerverschläge über und beschädigten die Versorgungsleitungen. Mieter wurden in allen drei Fällen nicht verletzt.

Am Mittwochabend wurde Dennis K. in seiner Wohnung unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Er ist nicht vorbestraft oder einschlägig als Brandstifter bekannt. Doch die Kripo hatte den Mann schnell im Visier, weil er sich extrem auffällig an den Tatorten verhielt und über Täterwissen verfügte, mit dem er sich offenbar selbst verriet.

In dem gelb gestrichenem, achtgeschossigen Mietshaus stinkt es am Donnerstag noch nach Qualm. Im Eingangsbereich ermahnt ein Schreiben der Hausverwaltung die Mieter, keine Schuhregale oder Kinderwagen auf den Fluren abzustellen, Keller- und Haustüren geschlossen zu halten. Dennis K. war im vergangenen Jahr in eine Wohnung gleich unter dem Dach gezogen. Anfangs lebte er noch mit einer Freundin zusammen, die ihn aber schon bald verlassen haben soll. Der 22-Jährige ist der Sohn eines Hausmeisters und arbeitet selbst als Reinigungskraft für die Hauswartsfirma. Nach Angaben von Anwohnern ereigneten sich alle Brandstiftungen in Häusern, deren Treppenaufgänge von ihm geputzt wurden. In allen drei Fällen sollen die Feuer auch von ihm gemeldet worden sein.

Im fünften Stock ist die Wand neben der Wohnungstür einer Familie noch vom Ruß geschwärzt. Dort hatte ein Schränkchen gestanden. Ihre sechsjährige Tochter traut sich seit dem Feuer nicht mehr allein in den Flur, berichtet eine Nachbarin. Dennis K. wird von den Mietern als ruhiger, unauffälliger junger Mann geschildert, der etwas „wuschelig“ gewirkt habe. Als es brannte, klopfte er bei einer Mieterin und lief dann zur Wohnung seines Vaters. „Diese Familie hat es verdient“, soll er laut Zeugen gesagt haben. Eine Hausbewohnerin, der sein Verhalten merkwürdig vorkam, sagte, sie habe ihren Verdacht bereits am Dienstag der Hausverwaltung mitgeteilt. Welche Motivation Dennis K. hatte, Feuer zu legen und damit seine Nachbarn in Gefahr zu bringen, ist derzeit noch unklar.

Derweil hat es auch im Neuköllner Ortsteil Rudow zum zweiten Mal in Folge im Keller eines Hochhauses im Theodor-Loos-Weg gebrannt. Bereits in der Nacht zu Dienstag hatte ein Unbekannter dort unverschlossene Kellerverschläge angezündet. Am späten Mittwochabend bemerkte ein Anwohner des Hauses erneut Brandgeruch und rief die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte löschten die Flammen an mehreren Kellerverschlägen. Verletzte gab es nicht.

Den verheerendsten Treppenhausbrand hatte es am 12. März in der Sonnenallee gegeben. Hier waren drei Menschen, darunter ein Säugling, ums Leben gekommen. Die Ermittler haben trotz der ungewöhnlich hohen Belohnung von 25 000 Euro für entscheidende Hinweise offenbar noch keine Spur zu dem Täter. Das nicht mehr bewohnbare Haus wurde an die zuständige Hausverwaltung übergeben. 300 Personen wurden überprüft, 80 eingegangenen Hinweisen wurde nachgegangen. Und doch fehlt vom Täter jede Spur. „Jeder, der ein Feuerzeug bedienen kann, kommt theoretisch als Zündler infrage“, sagte ein Beamter.

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