Spandau : Rätselhafter Mordfall löst Großeinsatz aus

Am Freitag war die Feuerwehr in einer Spandauer Wohnung auf die Leiche eines jungen Mannes gestoßen. Nun suchte die Polizei in der näheren Umgebung offenbar nach der Tatwaffe. Was sich genau in der Wohnung abspielte, ist weiterhin unklar.

Florian Ernst

BerlinZwei Tage nachdem die Feuerwehr bei einem Löscheinsatz in einem Einzimmerappartement in der Spandauer Wilhelmstadt einen Mann tot aufgefunden hatte, hat die Polizei in einem Großeinsatz die Großwohnsiedlung rund um die Ruhlebener Straße abgesucht. Etwa 80 Beamte durchstreiften am Sonntagnachmittag Grünanlagen und Vorgärten, die sich in der näheren Umgebung des Tatorts in der Stichstraße befinden. Wonach gesucht wird, wollten die Beamten nicht sagen. Es werde nach „Hinweisen und Beweismitteln“ geschaut, hieß es lediglich.

Auch in der Wohnung im dritten Stock gingen die Ermittlungen weiter. Durch die geöffnete Tür drang am Sonntag beißender Brandgeruch in den Flur und das Treppenhaus. Kripobeamte in weißer Schutzkleidung und Mundschutz markierten mit Nummern verschiedene Einrichtungsgegenstände in der kleinen Wohnung, in der alles mit einem schwarzen Rußfilm überzogen war.

Was sich in der Wohnung abgespielt hat, bevor die Feuerwehr am Freitagabend wegen eines Schwelbrandes – das Bett des Wohnungsinhaber war in Brand geraten – anrückte, ist weiterhin unklar. Die Obduktion habe ergeben, dass „Gewalt gegen den Hals“ zum Tod des Mannes geführt habe, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Sonntag mit. „Wir gehen von einem Tötungsdelikt aus.“ Zu der Frage, ob der junge Mann erwürgt, erdrosselt, erstochen oder auf eine andere Art getötet wurde, hielt sie sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen bedeckt. Es spricht also einiges dafür, das die Beamten nach einer Tatwaffe gesucht haben.

Es sehe so aus, dass es sich bei dem Toten um den 23-jährigen Wohnungsinhaber Sebastian N. handelt, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Endgültig gesichert sei das allerdings nicht. Von den Nachbarn will keiner den 23-Jährigen richtig gekannt haben. Höchstens „vom Sehen“ oder „vom Grüßen auf dem Gang“. Selbst ein junger Mann, der im gleichen Stockwerk wohnt, kann nur sagen, dass er „unauffällig“ war. Die Mieterin der Wohnung direkt unter dem Tatort erzählt, sie habe erst mitbekommen, dass etwas passiert sei, als Polizeibeamte an ihre Türe klopften und sie aufforderten, das Haus zu verlassen. Im „Bistro Treff“, wenige Häuser weiter, sei zwar seit Freitag viel über den Fall gesprochen worden, niemand habe allerdings etwas Genaues gewusst, erzählten die Betreiber und ein weiblicher Gast.

Am Freitag sei ihnen nur aufgefallen, dass acht Feuerwehrwagen an der Kneipe vorbeigefahren seien. Feuerwehr- und Polizeieinsätze kämen jedoch häufig vor.

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