Sportler springt ins Wasser : Fähre rammt Segelboot auf Wannsee

Ein Unfall mit der BVG-Fähre auf dem Wannsee? Daran können sich selbst langjährige Anwohner nicht erinnern. Aber an diesem Sonntagnachmittag, kurz nach 13 Uhr, ist’s passiert, mitten auf dem großen Gewässer, zehn Minuten nach Abfahrt in Wannsee.

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Da rammte die mit mehr als 300 Menschen besetzte Fähre der Stern- und Kreisschiffahrt, die im Auftrag der BVG fährt, ein kleines Segelboot. Ein Sportler sprang nach Angaben der Polizei ins Wasser, konnte aber gerettet werden; die Wasserschutzpolizei und DLRG-Boote waren im Einsatz. 

„Der Kapitän der Fähre hat voll draufgehalten“, berichtete eine Augenzeugin, die wie etwa 300 Passagiere an Bord der „MS Lichterfelde“ war. Das Schiff, das zwischen Wannsee und Kladow pendelt und für die Überfahrt 20 Minuten benötigt, war zehn Minuten unterwegs und auf Höhe des Strandbads, als der Schiffsführer mehrmals laut hupte. Da sahen die Passagiere das kleine Boot auf dem Wasser mit gesetztem Segel – das sich aber nicht von der Stelle rührte. Der Fährmann gab Gegenschub, „da war es aber zu spät“. Mehrere Boote eilten zur Unglückstelle. Eines davon nahm den ins Wasser gesprungene Segler auf, der laut der Augenzeugin schimpfte: „Ich hatte keinen Wind, es war Flaute!“ Aus Wannsee eilten DLRG-Rettungsschnellboote herbei, auch die Wasserschutzpolizei war da. Nach Angaben der Augenzeugin hätten die anderen Führer der Privatboote auf den Fährkapitän eingeredet, dass er doch nicht draufhalten könne, er habe doch gesehen, dass der Segler nicht von der Stelle komme.

Ein Sprecher der Reederei erklärte, die Berufsschiffer seien verpflichtet, den Kurs zu halten – auch bei einem Hindernis voraus. Insassen anderer Boote würden sich darauf verlassen. Bei einer Kursänderung seien andere Bootsfahrer gefährdet. Um ausweichen zu können, dürften Sportboote nicht näher als 50 Meter an ein Schiff der Berufsschifffahrt herankommen. Ein Stoppen der Maschine der Fähre dauere mehrere Minuten, der Anhalteweg betrage weit über hundert Meter.

Die Frage, wie sich ein Segler verhalten soll, der dem großen Schiff wegen einer Flaute nicht ausweichen kann, blieb unbeantwortet.

Das Boot des Mannes wurde von Rettungskräften an Land gezogen. Die Passagiere der Fähre wurden nach knapp einer halben Stunde an ihren Zielort in Kladow gebracht. Nach einer Stunde nahm die unwesentlich beschädigte Fähre den Regelbetrieb wieder auf, und der Schiffsführer blieb am Ruder.

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