Sprengungen : Mutmaßliche Geldautomatenknacker festgenommen

Die Serie von Geldautomaten-Sprengungen könnte aufgeklärt sein: Die Polizei nahm drei Verdächtige in einer Berliner Wohnung fest. Sie sollen neun Geldautomaten in Brandenburg und weiteren Bundesländer in die Luft gejagt haben.

Wolfgang Schönwald (ddp)
Geldautomaten
Auch in Kremmen (Oberhavel) in Brandenburg wurde ein Geldautomat gesprengt. -Foto: ddp

Kiel/BerlinSeit Jahresbeginn registriert die Polizei eine Serie von Geldautomaten-Sprengungen. Die Schwerkriminellen hinterließen bei Banken und Sparkassen in Brandenburg und mehreren weiteren Bundesländern ihre Spuren - mindestens ein Dutzend Fälle sind den Ermittlern bundesweit bekannt.

Jetzt schlugen nach wochenlangen Ermittlungen Kieler Kriminalisten gemeinsam mit Berliner Kollegen zu: Drei mutmaßliche Täter wurden am Montag in einer Wohnung in der Hauptstadt überwältigt und festgenommen. Den Verdächtigen im Alter von 30 bis 36 Jahren werden nach jetzigen Erkenntnissen drei Taten in Brandenburg und sechs in Schleswig-Holstein zugeordnet, wie der Sprecher des Kieler Landeskriminalamts (LKA), Uwe Keller, am Dienstag sagte. Die Männer, die alle in Rumänien geboren wurden und mittlerweile in Deutschland leben, hätten bei den Vernehmungen bislang jedoch geschwiegen.

Sprengungen mit Gasgemisch

Sie sitzen in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft Itzehoe mitteilte. Die Männer gingen bei ihren Taten immer nach dem gleichen Muster vor - sie leiteten ein Gasgemisch durch den Schlitz in die Geldautomaten und brachten die Apparate dann mittels einer Zündung zur Explosion. Dabei entstand an den Gebäuden stets erheblicher Sachschaden. Doch in einigen Fällen blieb den Tätern die Beute unzugänglich.

Den Festgenommenen auf die Spur kamen die Fahnder "durch die unmittelbare Tatortbesichtigung" nach einer Sprengung in Schleswig-Holstein, wie der LKA-Sprecher erläuterte. In einem Auto wurde ein Mann überprüft, der zunächst offenbar nichts mit dem Raub zu tun hatte, bei einem späteren Fall aber erneut im Umfeld entdeckt wurde. Die weiteren Ermittlungen ergaben dann, dass es "Pendelbewegungen" nach Berlin gab. Einer der Kriminellen lebt dort, zwei in Brunsbüttel.

In Zusammenarbeit mit den Brandenburger Kollegen konnten Keller zufolge schließlich drei Sprengungen dem Trio zugeordnet werden. Erst in der vergangenen Woche war ein weiterer Geldautomat in die Luft geflogen. Der letzte Fall ereignete sich in einer Sparkasse in Friedersdorf bei Königs Wusterhausen. Doch die Täter hatten Pech, die Wertbehälter wurden nicht zerstört. Es gab danach Hinweise, dass kurz nach der Explosion ein dunkler Pkw mit hoher Geschwindigkeit zur nahe gelegenen Autobahn 12 Berlin-Frankfurt (Oder) raste.

Erst zwei Tage zuvor war in Kremmen bei Berlin ein Geldautomat gesprengt worden, Wochen davor war Mittenwalde der Tatort. Diese drei Fälle werden den Spuren zufolge dem Trio zugeschrieben.

Kriminelle lieben Geldautomaten

Ungeklärt bleiben somit weitere Taten, so auch ein Raub vor einer Woche in Elmenhorst bei Stralsund. Dort erbeuteten die Täter eine unbekannte Menge Bargeld, wie die Polizei mitteilte. Anwohner hatten einen lauten Knall gehört und zwei Männer in weißen Overalls beobachtet, die zu einem direkt vor der Filiale stehenden Kleinwagen liefen.

Parallelen zu Raubserien vor einigen Jahren in Deutschland sehen die Ermittler derzeit nicht. Der Kieler LKA-Sprecher sagte, ein Zusammenhang mit den im November 2005 für Schlagzeilen sorgenden sogenannten Panzerknackern seien nahezu auszuschließen. Die seinerzeit festgenommenen Tatverdächtigen sind alle in Haft, hieß es.

Doch bei Kriminellen sind Geldautomaten sehr beliebt. Erst vor wenigen Wochen wurde ein 26-jähriger Mann vom Landgericht Düsseldorf nach einer Serie von Anschlägen zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Rumäne hatte gestanden, 2005 mindestens zwei Geldautomaten zur Explosion gebracht und einen Supermarkt in Neuss überfallen zu haben. Laut Ermittlungen war der Mann Teil einer Bande, die bundesweit rund 30 Geldautomaten in die Luft gesprengt haben soll. Insgesamt sei dadurch ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben