Sprung vom Zoofenster : Basejumper lebensgefährlich verletzt

Er war mit einem Fallschirm vom Rohbau des Zoofensters gesprungen und hat sich dabei lebensgefährlich verletzt. Der Zustand des 30-Jährigen ist weiterhin kritisch. Der Springer ist ein Marinesoldat der Fregatte "Brandenburg".

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Sprung in die Tiefe. Der Basejumper sprang vom Dach des 118 Meter hohen Rohbaus des Zoofenster-Turms und prallte im Gleitflug gegen ein anderes Gebäude. Foto: Guenter Peters
Sprung in die Tiefe. Der Basejumper sprang vom Dach des 118 Meter hohen Rohbaus des Zoofenster-Turms und prallte im Gleitflug...Foto: Guenter Peters

Die Operationen hat er gut überstanden. Der Zustand des Fallschirmspringers ist aber weiterhin kritisch, wenn auch momentan stabil, wie ein Polizeisprecher Tagesspiegel Online bestätigte. Seit Mittwochfrüh wird der Springer, der sich mit einem Fallschirm vom Dach des entstehenden Waldorf-Astoria-Hotels am Hardenbergplatz stürzte, im Bundeswehrkrankenhaus in Mitte behandelt. Was nun klar wurde: Der 30-Jährige ist Marinesoldat bei der Bundeswehr und offenbar im Urlaub in Berlin.

Ein Sprecher der Bundeswehrmarine bestätigte, dass der Springer erst im Juni mit der Fregatte "Brandenburg" von einer fünfmonatigen Ausbildungsfahrt nach Südafrika zurückgekehrt war. Ob der Soldat ausgebildeter Fallschirmspringer ist, konnte nicht bestätigt werden.

Ebenso wenig ist bekannt, warum der 30-Jährige sich entschloss, vom 118 Meter hohen Dach des Neubaus am Zoofenster zuspringen, der erst kürzlich Richtfest gefeiert hatte. In der Szene der Basejumper, die mit einem Fallschirm von festen Objekten wie Hochhäusern, Brücken oder Windrädern springen, gilt es als etwas Besonderes ein neues Objekt zu "erschließen". Womöglich wollte der Marinesoldat der Erste sein, der von dem neuen Gebäude springt. Darauf deutet auch die Tatsache, dass er seinen Flug mit einer Helmkamera aufgezeichnet hat, womöglich, um den Film später ins Internet zu stellen.

Viele der Basejumps in Deutschland sind illegal, denn der Deutsche Fallschirmsportverband muss eine Genehmigungen erteilen. Der Besitzer des Gebäudes und der Eigentümer der Fläche, auf der gelandet wird, müssen zustimmen. Da sich der Springer illegal Zugang zur Baustelle am Hardenbergplatz verschafft hat, wird gegen ihn wegen Hausfriedensbruch ermittelt.

Der Mann hatte nach dem Absprung die Kontrolle über seinen Fallschirm verloren und war gegen das gegenüberliegende Hutmacherhaus geprallt. Beim Sturz aus Höhe der sechsten Etage verletzte er sich schwer. Ein Wachmann der Baustelle hatte ihn auf dem Gehweg gefunden.

Nach Informationen aus der Szene war der Mann erst vor Kurzem nach Berlin gezogen und hatte mit geringem Erfolg Anschluss zu den Basejumpern gesucht. Bei dem 32-jährige Mann, den die Polizei neben dem schwerverletzten Soldaten angetroffen hatte, handelt es sich offenbar um einen Kreuzberger, der in der Berliner Basejump-Szene bekannter ist als der Schwerverletzte. Er erlitt einen schweren Schock und konnte bislang nicht von der Polizei vernommen werden.

Ein gutes Dutzend illegaler Springer zieht nach Insider-Angaben nachts durch die Stadt und springt von Gebäuden oder Brücken. Da sie sich immer auf der Flucht vor der Polizei befinden, gehen sie dabei meist mit weniger Sorgfalt vor als professionelle Basejumper, die nur mit Genehmigung springen.

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