Staatsanwaltschaft Berlin klagt mutmaßlichen Betrüger an : Krankenpfleger soll fünf Jahre als Arzt praktiziert haben

Fünf Jahre soll Denny H. als falscher Arzt praktiziert haben - unter anderem auf der "Aida". Der Betrug flog erst auf, als der Hochstapler einen neuen Arztausweis wollte.

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Die "Aidaluna" am Montag in Kiel. Auf einem Schiff der Aida-Kette soll ein Krankenpfleger als Schiffsarzt praktiziert haben.
Die "Aidaluna" am Montag in Kiel. Auf einem Schiff der Aida-Kette soll ein Krankenpfleger als Schiffsarzt praktiziert haben.Foto: dpa

Er war als Narkosearzt bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation tätig, hielt Fachvorträge an der Charité und praktizierte anderthalb Jahre als Schiffsarzt auf einem Kreuzfahrtschiff der "Aida"-Flotte: Der 40 Jahre alte Denny H. soll fünf Jahre lang - von Oktober 2010 bis Oktober 2015 - als Arzt gearbeitet haben, ohne dafür qualifiziert gewesen zu sein.

H. kam lange mit seinen gefälschten Dokumenten durch - bis er einen neuen Arztausweis beantragte und die Ärztekammer stutzig wurde. Ein Richter erließ Haftbefehl - am 4. Dezember 2015 wurde der Mann bei der Ankunft am Flughafen Tegel verhaftet. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben: Wegen Betrug, Urkundenfälschung, unberechtigter Titelführung und gefährlicher Körperverletzung.

Vom Krankenpfleger zum Anästhesisten

Laut Justiz ist Denny H. gelernter Krankenpfleger und arbeitete jahrelang auf der Intensivstation des Krankenhauses Stendal. Nach seinem Umzug nach Berlin gab er sich fälschlicherweise als Mediziner aus. Warum Denny H. zum Betrüger wurde, muss wohl vor Gericht geklärt werden. "Der Angeschuldigte schweigt sich bislang zu den Vorwürfen aus", sagte Justizsprecherin Lisa Jani am Dienstag.

Als Anästhesist soll Denny H. bei Organentnahmen mitgewirkt haben, an einer Tagesklinik war er ebenfalls für die Betäubung der Patienten zuständig. Meistens ging das gut - bislang ist nur ein Fall bekannt, bei dem der falsche Arzt einer seiner Patienten Schaden zufügte: "Während seiner Zeit auf der Aida - von April 2014 bis Oktober 2015 - gab er einer Patientin eine antibiotische Infusion, obwohl die Frau kein Penicillin verträgt", so Jani. Die Patientin habe in der Folge einen Kreislaufzusammenbruch erlitten.

Ärztekammer deckte Betrug durch Zufall auf

Der Hochstapler wäre vermutlich nie aufgeflogen - wenn ihm sein eigener Ehrgeiz nicht in die Quere gekommen wäre. Im Oktober 2014 wurde Denny H. bei der Ärztekammer Berlin vorstellig. "Er beantragte einen neuen Ausweis und gab an, den alten verloren zu haben", sagte Sascha Rudat, Sprecher der Ärztekammer. Mit der Ausstellung des neuen Ausweises habe er einen zweiten Vornamen und einen Doktortitel in den Ausweis eintragen lassen wollen. "Wir haben daraufhin Unterlagen angefordert, um seine Identität und seine Qualifikation zu überprüfen", sagte Rudat. Denny H. lieferte im Frühjahr 2015 Kopien der Dokumente.

"Zunächst war nicht ersichtlich, dass das Fälschungen waren", so der Sprecher der Ärztekammer. Bei der Ausstellung des ersten Arztausweises sei das niemandem aufgefallen. Erst bei der zweiten, eingehenden Prüfung der Dokumente seien "Abweichungen" festgestellt worden, die die Juristen der zuständigen Fachabteilung hellhörig machten. "Er reichte zwei verschiedene Kopien seiner Eheurkunde ein, die nicht übereinstimmten", so Rudat.

Sprecher: "Alles war komplett gefälscht"

Außerdem habe H. die Kopie einer Promotionsurkunde der Universität Magdeburg vorgelegt, die von der Charité beglaubigt worden war. An der medizinischen Fakultät in Magdeburg hatte aber noch nie von einem Doktor namens Denny H. gehört. Eine weitere Nachfrage beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt habe dann ergeben, dass der Mann nie als Arzt zugelassen worden sei.

"So einen Fall hatten wir in Berlin noch nicht. Es stellte sich heraus, dass der Mann alles komplett gefälscht hatte", sagte Rudat. Ohne die erneute Antragstellung wäre der Betrug wahrscheinlich nicht so schnell aufgeflogen, hieß es. Am 1. Juli 2015 stellte die Ärztekammer Strafanzeige, Polizei und Staatsanwaltschaft schalteten sich. Die Verhaftung erfolgte fünf Monate später.

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