Statistik : Immer weniger Straftaten in Berlin

Auf den ersten Blick liest sich die aktuelle Kriminalstatistik recht positiv: Die Zahl der Straftaten insgesamt ist gesunken, und gerade bei der Jugendkriminalität sieht Polizeipräsident Dieter Glietsch Erfolge der Präventionsarbeit. Doch Opposition und Polizeigewerkschaft sind noch lange nicht zufrieden.

BerlinMit 482.765 Fällen ist die Zahl der Straftaten in Berlin im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken. Die Zahl der Delikte sei gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent zurückgegangen, sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) am Montag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2008. Körting bewertete diese Entwicklung als "überaus erfreulich". Sie zeige, dass die Hauptstadt "etwas sicherer" geworden sei. Kritik an der Kriminalitätslage kam von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) und der Opposition.

Die Aufklärungsquote sank 2008 gegenüber dem Vorjahr von 50,4 auf 49,5 Prozent. Körting führte an, dies sei für eine Millionenstadt wie Berlin immer noch ein "hervorragender Wert". Er fügte hinzu, bei Delikten wie Tötungsverbrechen oder Körperverletzung sei die Aufklärungsquote sehr hoch. Bei den 44 Morden im vergangenen Jahr wurden in 42 Fällen die Täter gefasst. Insgesamt verzeichnete die Polizei eine Abnahme von Tötungsdelikten um 6,5 Prozent auf 202 Fälle.

Vor allem Jugendkriminalität gesunken

Auch bei den Rohheitsdelikten sank die Zahl der Straftaten um 4,3 Prozent auf 66.414. Polizeipräsident Dieter Glietsch wies darauf hin, dass dies nicht nur auf die sinkende Zahl junger Menschen "im kriminalitätsaktiven Alter" infolge der demografischen Entwicklung zurückzuführen sei. Ohne die Präventionsarbeit und die Kontinuität in der Strafverfolgung zusammen mit der Staatsanwaltschaft würden die Zahlen "ganz anders aussehen", sagte er.

Der Innensenator gab zu bedenken, auch im Langzeitvergleich sei die Jugendkriminalität rückläufig. Diese Entwicklung widerlege die "plakativ und populistisch" vorgebrachte These, die Jugend würde immer krimineller. Insgesamt hat sich die Zahl der tatverdächtigen Berliner Jugendlichen im vergangenen Jahr um 8,2 Prozent auf 13.326 reduziert.

Häusliche Gewalt wird öfter zur Anzeige gebracht

Einen deutlichen Anstieg von 7,6 Prozent auf 636 Fälle registrierte die Polizei bei Kindesmissbrauch, unter anderem wegen eines Großverfahrens. Die Zunahme von 23,9 Prozent bei häuslicher Gewalt ist den Angaben zufolge auf eine erhöhte Anzeigenbereitschaft zurückzuführen.

Sorgen bereitet Körting der Anstieg bei Wohnungseinbrüchen um 18,7 Prozent auf 8.228 Straftaten. Starke Zunahmen verzeichnet die PKS auch im Bereich Waren- und Warenkreditbetrug (+16,7 Prozent auf 26.653 Fälle) und beim Betrug mit Daten von Zahlungskarten (+191,6 Prozent auf 2.502 Fälle).

Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität registrierte die Polizei mit 2.620 Fällen einen Rückgang um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der rechtsmotivierten Straftaten sank um 6,4 Prozent, allerdings wurden im vergangenen Jahr 91 rechte Gewaltdelikte gezählt, 17 mehr als 2007.

Rückgang der Delikte durch Personalmangel erklärbar?

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Robbin Juhnke, kritisierte, die Kriminalität in Berlin stagniere auf sehr hohem Niveau. Der leichte Rückgang der Zahlen sei vornehmlich durch einen Rückgang der Polizeipräsenz zu erklären. Der Innenexperte der FDP-Fraktion, Björn Jotzo, forderte, bei Wohnungseinbrüchen müsse die Polizei die Kriminalprävention und damit die Information von Wohnungseigentümern und Mietern noch deutlich ausbauen.

Der Berliner DPolG-Chef Bodo Pfalzgraf kritisierte, der Senat sollte sich nicht zu sehr "im Lichte der Statistik sonnen". Die Wahrnehmung viele Bürger und Polizisten zur öffentlichen Sicherheit decke sich mit den präsentierten Zahlen. Polizeipräsident Glietsch wies diese Kritik als "gewerkschaftspolitischen Unsinn" zurück. (am/ddp)

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