Stellenabbau : Auf Polizei können Berliner lange warten

Einige Abschnitte klagen über Personalmangel in der Nacht - das sei eine Folge des stetigen Stellenabbaus.

Klaus Kurpjuweit

BerlinNachts darf in Berlin nicht viel passieren, was den Einsatz der Polizei erfordert: „Wir haben zu wenige Leute. Es kann dauern, bis die Kollegen kommen“, warnte der Beamte eines Abschnitts in der Innenstadt jetzt einen Anrufer, der um 22.30 Uhr wegen einer Ruhestörung um Hilfe gebeten hatte. Auch nach mehr als einer Stunde war noch kein Polizist erschienen. Dies sei inzwischen „normal“, heißt es auf dem Abschnitt. „Wir haben einfach zu wenig Leute.“ Nach 1 Uhr werde die Zahl der einsetzbaren Beamten zudem planmäßig weiter verringert.

Polizeisprecherin Heike Nagora verteidigt das Konzept, das mit dem Berliner Modell bereits vor Jahren eingeführt worden war. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass am Tag mehr Personal benötigt werde als nachts. Auch mit weniger Personal werde die Sicherheit gewährleistet, sagt auch Dieter Großhans von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Seien Menschenleben gefährdet, könnten auch Beamte von benachbarten Abschnitten schnell eingreifen. Bei Delikten wie einer Ruhestörung müsse man aber damit rechnen, dass die Beamten erst spät oder manchmal auch gar nicht erschienen. Hier räche sich, dass bei der Polizei in den vergangenen Jahren mehr als 3300 Stellen in den sechs Direktionen mit 44 Abschnitten gestrichen worden seien. Derzeit ist die Polizei bei ihrer Soll-Stärke von 16 160 Vollzugsbeamten angelangt – diese hatte sich aus einem Vergleich zwischen Berlin und Hamburg ergeben. Großhans kritisiert zudem, dass es erhebliche Ausfälle durch Krankheiten gebe, weil die Polizei relativ viele ältere Beamte habe. Nachwuchs war durch einen Einstellungsstopp dreieinhalb Jahre lang erst gar nicht ausgebildet oder nicht übernommen worden. Großhans befürchtet, dass sich der Stellenabbau in den kommenden Jahren „schleichend“ fortsetzten werde.

Die Haupteinsatzzeit der Polizisten liegt nach Nagoras Angaben zwischen 6 Uhr und 22 Uhr. Die meisten Funkwagen seien in der Regel freitags (173) und sonnabends (172) in den Abendstunden unterwegs; die wenigsten in den Morgenstunden zwischen 4 Uhr und 6 Uhr (101) an Sonn- und Feiertagen. Je nach Abschnitt würden zur Nachtzeit zwischen zwei und sieben Funkstreifenwagen eingesetzt. Hinzu kommen zur Kriminalitätsbekämpfung noch die Zivilstreifen, sagte Nagora. Stadtweit stünden zudem zusätzlich „operative Zivilkräfte“ sowie die Einsatzeinheiten in einer Mindeststärke von 60 Beamten zur Verfügung.

Auf veränderte Anforderungen könne man schnell reagieren – durch ein Anpassen der Einsatzstärken. Der Abschnitt in der Innenstadt hatte allerdings schon vor Jahren über Personalmangel bei nächtlichen Einsätzen geklagt. Geändert hat sich bis heute nichts.

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