Stichwaffen : Leicht zu haben

Ein scharfes Messer zu besorgen, ist gar nicht so schwer in dieser Stadt. Man braucht keinen Waffenschein, und nach dem Personalausweis wird höchstens im Fachhandel gefragt.

André Görke
Butterflymesser_2000
Seit vier Jahren verboten: Butterflymesser.Foto: dpa

Ein scharfes Messer zu besorgen, ist gar nicht so schwer in dieser Stadt. Man braucht keinen Waffenschein, und nach dem Personalausweis wird höchstens im Fachhandel gefragt. Aber im Baumarkt oder im Supermarkt? Überall werden scharfe Messer angeboten. Im Supermarkt am Potsdamer Platz kostet das Stück mit spitzer und 20 Zentimeter langer Klinge gerade mal 5,29 Euro. „Woher sollen wir wissen, ob der Junge das Messer zum Brotschneiden benutzt“, sagt eine „Kaiser’s“-Mitarbeiterin. „Oder ob er Blödsinn anstellen will.“

 20 Zentimeter lang war angeblich auch die scharfe Klinge, die am Dienstag dem 23-jährigen Darius E. beim Streit am Badesee in den Körper gerammt wurde. Gut möglich, dass der Täter das Messer im Rucksack getragen hat; das machen Jugendliche nicht erst seit zwei, drei Jahren so und nicht nur in Problemvierteln. Jugendbanden verbreiteten früher schon Angst mit langen Teppichmessern. Die kosten zwei Euro.

„Was war es für ein Messer? Ein Klappmesser? Ein Fallmesser? Ein Butterfly?“, fragt Kai Bergmann, Waffenfachmann im Jagdgeschäft „Frankonia“ in der Friedrichstraße. Er meint das Messer, mit dem der 23-Jährige erstochen wurde. Polizei und Staatsanwaltschaft äußern sich zum Messertyp nicht. Nur so viel: Man habe die Tatwaffe gefunden.

Auf den Typ aber kommt es an: Butterflymesser sind seit 2003 in Deutschland verboten, Fallmesser und bestimmte Springmesser – jene, bei denen die Klinge vorn aus dem Knauf springt und nicht seitlich – ebenfalls. „Diese Messer können Sie heute im seriösen Fachhandel nicht mehr kaufen“, sagt Bergmann. Aber ob die vor 2003 gekauften Messer vernichtet wurden, ist fraglich. In Internet-Auktionshäusern werden sie jedenfalls für wenig Geld angeboten. „Und auf dem Flohmarkt in Berlin kriegt jeder so ein Messer für weniger als zehn Euro“, sagt ein Händler aus dem Berliner Süden, der nicht genannt werden will.

Klappmesser, so ähnlich wie Schweizer Taschenmesser, dagegen kann man im Fachhandel frei kaufen, vorausgesetzt, man ist über 18 Jahre alt und das Messer nicht länger als 8,5 Zentimeter. Kosten: ab 12 Euro. Der Ausweis reicht, im Notfall schickt man den großen Bruder vor. „Kein Mensch kann das kontrollieren“, sagt ein anderer Händler. Kai Bergmann vom Jagdladen „Frankonia“ meint generell: „Ein Messer hat jeder, denn nicht das Messer tötet, sondern der Mensch.“

Viele Waffenhändler bestätigen, dass derzeit mehr scharfe Klappmesser nachgefragt werden als in den vergangenen Monaten. Die Käufer seien aber kaum Jugendliche, sondern Jäger, Segler oder Surfer, die die Messer für ihren Sport brauchen und sich auf den Sommer vorbereiten.

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