Streit im Fahrradclub AFDC : Kampfabstimmung um Volksentscheid

So spannend war eine Mitgliederversammlung des Fahrradclubs ADFC noch nie. Soll der "Radentscheid" unterstützt werden? Durch den Club geht ein tiefer Riss.

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Die Initiatoren des Fahrrad-Volksentscheids wollen weitreichende Lösungen für ein fahrradfreundliches Berlin.
Die Initiatoren des Fahrrad-Volksentscheids wollen weitreichende Lösungen für ein fahrradfreundliches Berlin.Foto: Britta Pedersen/dpa

Die 13.000 Mitglieder sind für 13 Uhr am Sonnabend ins Kreuzberger Tempodrom geladen. Es wird um eine richtungsweisende Entscheidung gehen: Soll der ADFC den von Fahrradaktivisten initiierten Volksentscheid Fahrrad unterstützen oder nicht? Über drei unterschiedliche Anträge dürfen die Mitglieder abstimmen. Zwei sind für den Volksentscheid, einer dagegen.

Wie die Kampfabstimmung ausgeht, gilt als offen. Wie berichtet, war im Februar das Vorstandmitglied Bernd Zanke aus Protest zurückgetreten. Am Abend zuvor hatte sich der Vorstand des Berliner Clubs in einer Art internen Probeabstimmung mit 5 zu 2 Stimmen für den Volksentscheid ausgesprochen.

Zanke hat nun mit anderen prominenten ADFC-Mitgliedern, wie der Sternfahrt-Organisatorin Susanne Grittner, einen Antrag eingebracht, den Volksentscheid nicht zu unterstützen. Begründung: "Der ADFC kann Initiativen dieser grundsätzlichen Bedeutung nur unterstützen, wenn er maßgeblichen Einfluss auf die Inhalte hat. Dies ist ... nicht gewährleistet." Kürzer formuliert: Nur was vom ADFC kommt, taugt auch etwas. Dem Tagesspiegel liegen die drei Anträge vor.

Fahrradfreundliche Verkehrsplanung

Für den Volksentscheid sind zwei Anträge, einer davon vom Schatzmeister Frank Masurat. Er will am Sonnabend den Antrag stellen, "den geplanten Volksentscheid zu unterstützen". In seiner Begründung schreibt Masurat, dass zwar nicht jede Forderung des Radentscheids sich mit den ADFC-Positionen decke, letztlich aber beide Seiten - ADFC und Radentscheid - sich "für die Förderung des Radverkehrs einsetzen". Und das sei wichtiger. Einen dritten Antrag wollen die Initiatoren des Volksentscheids um die Aktivisten Heinrich Strößenreuther und Peter Feldkamp einbringen.

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Er geht etwas weiter als der Antrag von Masurat, ist inhaltlich aber weitgehend deckungsgleich: "Der ADFC tritt ab sofort als offizieller Unterstützer des Volksentscheides Fahrrad auf." Diesen Antrag haben knapp 50 Mitglieder unterschrieben. Mit dem Radentscheid soll der Senat zu einer fahrradfreundlicheren Verkehrsplanung gezwungen werden. Derzeit wird die erste Sammlung von Unterschriften vorbereitet, damit es überhaupt zu einem Volksbegehren kommen kann. Sollte dieses erfolgreich sein, schließt sich daran der eigentliche Volksentscheid an.

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