Telefone, Marihuana, Kosmetik und einen Döner : Diese "Luftpost" fliegt über Gefängnis-Mauern in Berlin

Telefone, Marihuana, Kosmetik und einen Döner: All das haben die Angehörigen von Häftlingen letztes Jahr über die Zäune der Gefängnisse geworfen. 2014 registrierte die Senatsjustizverwaltung 187 dieser "Überwürfe".

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Personifikation der Gerechtigkeit: Justitia
Personifikation der Gerechtigkeit: JustitiaFoto: picture alliance / dpa

Die sieben Berliner Justizvollzugsanstalten haben letztes Jahr insgesamt 187 Fälle registriert, in denen Angehörige oder Freunde von Inhaftierten Gegenstände über die Mauern der Anstalten geworfen haben. Am häufigsten flogen Mobiltelefone, Ladegeräte und SIM-Karten über die Mauerkränze; unter den Funden waren aber auch Marihuanapäckchen, Alkohol, Musik-CDs, Deo-Roller und sogar ein Döner.

Dies geht aus einer Antwort der Senatsjustizverwaltung auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Sven Rissmann hervor. Rissmann hatte nach der Zahl der "dienstlichen Meldungen aus den Berliner Justizvollzugsanstalten" in den Jahren 2013 und 2014 gefragt. Neben den Mauerüberwürfen müssen auch Tätlichkeiten gegen Vollzugsbedienstete und Schlägereien der Gefangenen untereinander gemeldet werden. Zellenfunde werden nicht statistisch erfasst.

Jugendliche Straftäter lassen sich meist mit Cannabis versorgen

Die meisten Mauerüberwürfe wurden in der Jugendstrafanstalt Plötzensee registriert: 2014 wurden hier 98 Vorfälle gezählt. Laut Senatsjustizverwaltung wurde in fast der Hälfte der Fälle (40) versucht, die Gefangenen mit Cannabis zu versorgen. Harte Drogen scheinen bei den jugendlichen Straftätern nicht so beliebt zu sein: Nur in einem Fall segelte ein Päckchen mit Heroin über die Mauer. Das dürfte aber auch daran liegen, dass sich die harte Droge wesentlich besser am oder im Körper verstecken lässt als Cannabisprodukte. Laut Senatsjustizverwaltung wurden alle diese Fälle angezeigt.

Auf den Plätzen folgen die Justizvollzugsanstalten Moabit (38 Überwürfe), Plötzensee (30) und Tegel (19). In der JVA Heidering wurden 2014 nur zwei Mauerüberwürfe gezählt, im Frauengefängnis und der Jugendarrestanstalt gar keine. Die Senatsjustizverwaltung führt dies auf die baulichen Gegebenheiten (im Frauengefängnis gehen alle Zellenfenster zum Innenhof) und die Kürze der Aufenthaltsdauer (der Maximalaufenthalt in der Jugendarrestanstalt beträgt vier Wochen) zurück. Im Vergleich zum Jahr 2013 ist die Zahl der Mauerüberwürfe damit um 25 Fälle oder 11,8 Prozent gesunken. Damals waren noch 212 Mauerüberwürfe registriert worden.

Viele Schlägereien in der Jugendstrafanstalt

Die Jugendstrafanstalt Plötzensee liegt auch bei den Schlägereien unter Gefangenen einsam an der Spitze. Im Jahr 2014 schlugen die Gefangenen insgesamt 108-mal aufeinander ein - damit entfiel mehr als die Hälfte der 208 registrierten Angriffe unter Häftlingen auf die Jugendlichen. Die Senatsjustizverwaltung begründet dies mit dem "typischen Verhalten Jugendlicher mit einer überdurchschnittlich normabweichenden Sozialisation", die sich vor allem zu Beginn der Haftzeit zeige. "Mit zunehmender Haftdauer werden die Häftlinge ruhiger", hieß es aus der Justizverwaltung. Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung mochte die Behörde aber nicht erkennen.

In den anderen Gefängnissen scheinen die Gefangenen wesentlich freundlicher zueinander zu sein: In der JVA Heidering gab es 43 tätliche Auseinandersetzungen, in Tegel 23, in der JVA Plötzensee 14 und in Moabit 12 Übergriffe. Insgesamt prügelten sich die Häftlinge deutlich häufiger als noch 2013: Die Zahl der Tätlichkeiten stieg um 33 Fälle oder 18,9 Prozent.

16 tätliche Angriffe auf Vollzugsbeamte

Die Zahl der Angriffe auf Justizvollzugsangestellte ist im Jahresvergleich weitgehend konstant geblieben: 2014 wurden 16 Attacken auf die Bediensteten gezählt, 2013 waren es 15 Attacken gewesen. Fast die Hälfte dieser Angriffe (sieben an der Zahl) wurden in der JVA Heidering gezählt. Interessant ist, dass in der Jugendstrafanstalt Plötzensee 2014 kein einziger Angriff auf Vollzugsbeamte registriert wurde. Offenbar prügeln sich die Jugendlichen nur untereinander und verzichten auf Attacken gegen Beamte.

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