Tempelhof : Eltern wegen Misshandlung der Tochter verurteilt

Sie waren überfordert, sagten die Eltern aus Berlin-Tempelhof. Für ihre damals siebenjährige Tochter bedeutete das ein wahres Martyrium: Vater und Mutter schlugen und fesselten das Kind und sperrten es in der Wohnung ein.

BerlinWegen Misshandlung ihrer Tochter hat das Amtsgericht Tiergarten ein Ehepaar zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Die Eltern wurden schuldig gesprochen, 2003 das damals siebenjährige Kind gequält und grob misshandelt zu haben. Im Prozess waren die Angeklagten nach anfänglichem Zögern geständig.

Ihre Tochter sei schwierig gewesen, erklärten die Eltern in dem Prozess. Sie sprachen von "Überforderung" und räumten ein, dass es ein großer Fehler war, zu spät professionelle Hilfe in Anspruch genommen zu haben. "Es war Folter, was ihr Kind in der Zeit ertragen musste", stellte die Richterin klar. "Sie haben ihrem Kind erhebliches Unrecht angetan." Das Verhalten des Mädchens sei ein Hilferuf gewesen. Stattdessen habe das Kind Schläge und Misshandlungen erfahren.

Dem Urteil zufolge musste die Siebenjährige in der Tempelhofer Wohnung ein Martyrium erleiden. Von der 40-jährigen Mutter wurde sie mit Staubsaugerschlauch und Duschkopf geschlagen und bekam den Kopf mit Klebeband umwickelt. Der 46-jährige Vater versetzte dem Mädchen beim "Gute-Nacht-Sagen" einen Kopfstoß. Um die Verletzungen zu verbergen, durfte das Kind nicht mehr in die Schule gehen und musste im Bett bleiben. Zum Frühstück bekam es nur Haferflocken mit Wasser und Salz.

Die heute 12-Jährige lebt seit 2003 bei Pflegeeltern und hat keinen Kontakt zu ihren Eltern und den sieben Geschwistern. Nach Angaben der Pflegemutter, einer Erzieherin, leidet das Mädchen unter Alpträumen und Schlafstörungen und wird therapeutisch betreut. Das Gericht betonte, dass die Eltern bei einer zeitnahen Verurteilung eine Haftstrafe erhalten hätten. Ihnen wurde ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. (mhz/ddp)

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