Terror unter Nachbarn : Stalkerin soll in Psychiatrie

Klopfen, Klingeln, Einbruch. Ein Berliner Paar wurde ein halbes Jahr lang von seiner Nachbarin belästigt. Sie legte sich sogar ins Ehebett. Ab heute steht die offenbar psychisch erkrankte Frau vor Gericht.

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Der Mann schluckt. Es fällt ihm schwer, über das letzte Jahr zu reden. Der Makler kann die Tränen nicht verhindern. „Es ist so viel vorgefallen“, sagt der 48-Jährige. „Die Tür zur Hölle hatte sich aufgemacht.“ Durch eine Nachbarin, die nun als Stalkerin auf der Anklagebank sitzt. „Du versündigst dich an mir“, schrieb sie in einer SMS. „Als meine Frau und ich aus dem Urlaub kamen, lag sie in Unterwäsche in unserem Bett.“ Wenig später war er vor der Nachbarin aus dem Haus, in dem er 15 Jahre gut gewohnt hatte, regelrecht geflohen.

Die mutmaßliche Stalkerin ist 36 Jahre alt und Pädagogin. Daniela L. wohnt seit zehn Jahren in dem Haus in Neukölln. „Ich kenne die Frau vom Grüßen“, schildert Makler Frank N. (Namen geändert). Doch ab August 2009 sei Daniela L. plötzlich unangenehm geworden. Sie schickte Polizei zu Familie N., weil es angeblich zu laut war. Sie klingelte und sagte: „Ich will dich nur mal sehen.“ Sie tauchte in seinem Büro auf, sie rief an, sie klopfte nächtelang gegen die Wände und schrie: „Ich mach’ dich fertig.“

Ende September standen sie nach dem Urlaub fassungslos in ihrer Wohnung. In allen Räumen waren Schubladen und Schränke durchsucht. Licht schien aus dem Schlafzimmer. „Sie lag im Bett, direkt auf der Matratze.“ Er schrie: „Raus!“ Polizisten nahmen ihn dann mit in ihre Wohnung, um mögliches Diebesgut zu identifizieren. „In ihrer Unterwäsche lagen Fotos von uns“, erinnert sich N. und schlägt die Hände vors Gesicht.

Der Makler hatte gegen Daniela L. damals eine gerichtliche Kontaktsperre erwirkt. Sie soll dennoch angerufen haben. Die bis dahin unauffällige Frau wurde schließlich vorübergehend in die Psychiatrie eingewiesen. Sie aber schimpft: „Ich bin das Opfer einer Intrige, ich bin nicht psychisch krank.“ Nie sei sie in N.s Wohnung gewesen. Er sei der Täter. „Er hat Spaß daran, ein junges Leben zu zerstören.“ Sie wirkt völlig uneinsichtig.

Nach dem Umzug im Dezember hoffte Frank N. auf Ruhe. Doch die Frau, die ihn womöglich liebte, soll Detektive beauftragt haben, um an die neue Adresse zu kommen. „Ende Februar stand sie vor dem Haus“, sagt der Makler. Ein Mann sei bei ihr gewesen. Den soll sie aufgehetzt haben. Es kam zu einer Rangelei. Der Fremde soll ein Messer gezogen haben. Der Makler erlitt Schnittverletzungen. „Ein Trauma“, schluchzt er. Daniela L. soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft jetzt dauerhaft in die Psychiatrie.

Der Makler ist kein Einzelfall. Allein in Berlin erfasste die Polizei im vergangenen Jahr 2163 Stalking-Fälle. Mit Inkrafttreten des Stalkinggesetzes wurde 2007 in das Strafgesetzbuch der Straftatbestand der „Nachstellung“ eingeführt (Paragraf 238 StGB). Wird jemand gegen seinen Willen wiederholt und beabsichtigt verfolgt oder belästigt, sollte er ein einziges Mal klar und deutlich dem Stalker sagen, dass er das nicht möchte und die Person dies unterlassen solle, rät Martina Linke, Sachgebietsleiterin in der Zentralstelle für Prävention bei der Berliner Polizei. Sollte der Stalker weiterhin Kontakt über Anrufe, SMS, Emails suchen, verfolgen, drohen, verleumden, einbrechen oder körperliche Gewalt anwenden, müsse „in einer sehr frühen Phase“ Anzeige erstattet werden, sagt Linke.

Betroffene sollten auf keinen Fall von sich aus Kontakt mit dem Stalker aufnehmen oder auf Kontaktversuche reagieren. „Sie müssen Öffentlichkeit herstellen und Vorgesetzte, Freunde und Familie davon in Kenntnis setzen“, sagt Linke. Wer sich ernsthaft bedroht fühlt, sollte sich umgehend an die Polizei wenden.

In Berlin gibt es „Stop-Stalking“, eine Beratungsstelle für Menschen, die stalken (Telefon: 39790898) und eine Beratungsstelle für Stalking-Opfer. Die „Stalking Opferhilfe Berlin“ hilft Opfern individuell und ist telefonisch unter 44 32 37 17 zu erreichen.

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