Tod einer 91-Jährigen : Tödlicher Sturz im BVG-Bus: Fahrer vor Gericht

Wegen fahrlässiger Tötung muss sich ein Busfahrer vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Ihm wird vorgeworfen, im Mai 2009 derart abrupt angefahren zu sein, dass eine 91-jährige Frau schwer stürzte.

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Der Busfahrer hätte mit dem Anfahren einen Moment warten müssen. Davon geht die Anklage im Prozess um den Tod einer 91-jährigen Frau aus. Die Rentnerin, die sich noch nicht gesetzt hatte, war gestürzt und zwei Tage später an den schweren Kopfverletzungen gestorben. Der 44-jährige Fahrer hat am Dienstag vor einem Amtsgericht den Vorwurf der fahrlässigen Tötung zurückgewiesen.

Es war an jenem Morgen vor zwei Jahren seine erste Fahrt. Michael N. rollte zur Haltestelle am Bahnhof Hermannstraße in Neukölln. Vier Damen stiegen vorne ein, sagte er. Keine Hektik, wenig Leute und wenig Verkehr. „Es war ja ein Samstag.“ Er habe wie üblich seine „Spiegelrunde“ gemacht. „Ich sah, dass die vier Fahrgäste alle im hinteren Bereich waren.“ Er habe die Haltestellenbremse lösen wollen. „Beim Antippen hat es geknallt.“ N. sah die gestürzte Frau und stoppte. „Der Bus hatte sich höchstens zwei Meter bewegt“, sagte er. Zu Lenkbewegungen sei es noch nicht gekommen. Dass die Frau einen Gehstock hatte, sei ihm nicht aufgefallen.

Die Erinnerungen der Zeugen scheinen nicht so eindeutig. „Sie war noch in Höhe des Busfahrers, plötzlich lag sie“, sagte eine Frau. Doch die Rentnerin stürzte im hinteren Bereich des Busses. „Er ist angefahren und hat gleich wieder gebremst“, berichtete die Zeugin weiter – und schränkte wieder ein: „Aber nicht so, dass man vom Sitz geschleudert wird.“ Eine 31-jährige Zeugin sagte, dass der Bus „langsam“ angefahren sei. Aber sie gab auch zu bedenken: „Es ging ja alles so schnell.“

Nur schwer konnte der Sohn der Verstorbenen seine Empörung unterdrücken. „Er hat als Busfahrer gegen Grundregeln verstoßen“, schimpfte der 62-Jährige. „Sie ging am Stock, das hätte er sehen müssen und warten, bis meine Mutter sitzt oder festen Halt hat.“ Weitere Zeugen sollen am 29. März befragt werden.

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