Tödliche Schüsse : Ermittlung zu Fall Schönfließ dauert an

Die tödlichen Schüsse eines Polizisten auf einen 35-jährigen Mann am Bahnhof Zoo rücken die Vorfälle am Silvestertag in Schönfließ im nördlichen Berliner Umland in Erinnerung. Der Todesschütze ist weiter vom Polizeidienst suspendiert.

Damals hatte der 35-jährige Polizist Reinhard R. den Kleinkriminellen Dennis J. erschossen. Wie spätere Ermittlungen ergaben, zielte der Beamte damals durch die Autoscheibe direkt auf den 26-jährigen Dennis R. Dieser starb kurze Zeit später an seinen schweren Verletzungen. Die zuständige Staatsanwaltschaft Neuruppin erließ damals Haftbefehl wegen Totschlags, der allerdings unter Auflagen außer Vollzug gesetzt wurde. Die Behörde sah keine Fluchtgefahr, untersagte allerdings jeden Kontakt zu den beiden am Einsatz beteiligten Kollegen. „Für uns bleibt Reinhard R. ein Beschuldigter“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gert Schnittcher am Freitag dem Tagesspiegel. „Leider liegt das Gutachten des Landeskriminalamtes zum genauen Ablauf des Geschehens in Schönfließ noch nicht vor. Ich rechne damit in 14 Tagen.“ Dann sei es nicht ausgeschlossen, dass es zu einer Anklage gegen den Polizisten komme.

Der Anwalt der Mutter des Opfers Dennis J. hatte schon kurz nach der Tat mitgeteilt, dass seine Mandantin den Todesschützen angezeigt habe. Wenn es zum Prozess kommt, werde sie als Nebenklägerin auftreten.

Das Brandenburger Landeskriminalamt (LKA) hat schon zweimal den Tatablauf vom Silvestertag rekonstruiert. Dabei wurde auch eine Spezialkamera eingesetzt, die eine dreidimensionale Darstellung der verschiedenen Beweisspuren am Tatort ermöglicht.

Der beschuldigte Polizist sitzt weiter zu Hause, nachdem gegen ihn ein „Verbot der Dienstausübung“ ausgesprochen wurde. Die beiden beteiligten anderen Polizisten befinden sich nach Recherchen des Tagesspiegels weiterhin im Dienst. Sie hatten die Aussage zum Fall verweigert. Laut Auskunftsverweigerungsrecht müssen Betroffene auf keine Fragen antworten, die sie möglicherweise selbst belasten könnten.

Die Neuruppiner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Polizisten wegen des Verdachts eines Versuchs der Strafvereitelung im Amt. Sie könnten bei polizeilichen Vernehmungen in der Silvesternacht und der Rekonstruktion des Tatgeschehens zugunsten ihres Kollegen Wissen über den Tathergang zurückgehalten haben, hieß es. Ste./tabu

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