Tödlicher Einsatz : Mit Schreckschusswaffe auf die Beamten gezielt

Zwei Polizisten haben heute Nacht in Berlin-Neukölln einen mutmaßlichen Straßenräuber erschossen. Der bereits gestellte Täter wurde von zwei Kugeln getroffen, nachdem er die Beamten bedroht hatte - mit einer Schreckschusspistole. Die Mordkommission ermittelt.

Tanja Buntrock
Raeuber
Die Wiederbelebungsversuche des Notarztes blieben erfolglos. -Foto: Schröder

BerlinZwei Zivilpolizisten haben in der Nacht zu Donnerstag in Neukölln einen mutmaßlichen Straßenräuber erschossen. Nach ersten Erkenntnissen hatte der 22-Jährige zuvor einen Mann in der Saalestraße mit einer Waffe bedroht und ausgeraubt. Die vom Raubopfer alarmierten Polizeibeamten entdeckten den Straßenräuber unweit des Tatorts in der Niemetzstraße wieder. Während seiner Flucht vor den Zivilbeamten soll der Täter seine Waffe gezogen haben. Die Beamten feuerten daraufhin jeweils einmal mit ihren Dienstwaffen auf den Mann und trafen ihn tödlich. Eine Mordkommission ermittelt – wie üblich in solchen Fällen – wegen vorsätzlicher Tötung gegen die Beamten. Einer der beiden Polizisten war nach Tagesspiegel-Informationen bereits im vorigen Jahr bei einer tödlichen Schießerei im Dienst: Dabei wurde sein Kollege Uwe Lieschied nahe der Hasenheide im März 2006 von einem Straßenräuber erschossen.

Es war gegen 1.20 Uhr, als die beiden Zivilbeamten Polizeikommissar Alexander H. (35) und Polizeimeister Björn H. (30) den mutmaßlichen Straßenräuber Sebastian H. in der Niemetzstraße entdeckten. Die Personenbeschreibung hatten sie von Kollegen einer Funkstreife wagen erhalten, die ihnen folgten. In dem Fahrzeug saß auch das Raubopfer. Ihm soll der Täter zuvor eine Packung Zigaretten, ein Schlüsselbund und eine Geldbörse geraubt haben.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, parkten die beiden Zivilbeamten den Wagen am Straßenrand, sprangen aus dem Auto und sollen sinngemäß „Halt! Polizei. Stehen bleiben oder ich schieße!“ gerufen haben. Dafür gebe es neben dem Raubopfer auch weitere Zeugen, die in der Nähe waren.

Wie ein Ermittler dem Tagesspiegel sagte, habe der mutmaßliche Täter seine Beute fallen gelassen, sich umgedreht und dann mit seiner täuschend echt aussehenden Schreckschusswaffe auf die Polizisten gezielt. Diese hätten dann aus Notwehr jeweils einmal aus ihrer Waffe geschossen. Eine Kugel traf den Mann am Arm, der tödliche Schuss ging in die Brust. Der aus Neuruppin stammende Täter Sebastian H. sackte zusammen. Die Wiederbelebungsversuche des Notarztes blieben erfolglos.

Staatsanwalt Uwe-Michael Liedtke wollte sich zum Ablauf der Schießerei nicht äußern. Das sei Gegenstand der Ermittlungen. Fest stehe jedoch, dass neben dem mutmaßlichen Räuber eine Schreckschusswaffe gefunden wurde. Eine Mordkommission hat – wie üblich in solchen Fällen – die Ermittlungen übernommen. Gegen die Beamten läuft ein Verfahren wegen Verdachts der vorsätzlichen Tötung. „Die beiden Polizisten werden von uns betreut“, sagte Vize-Polizeipräsident Gerd Neubeck. Sobald sie sich wieder „einsatzfähig und fit fühlen“ dürften sie ihren Dienst wieder aufnehmen. Ohne den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vorgreifen zu wollen, hätten die Beamten „nach jetzigen Erkenntnissen so gehandelt, wie es von ihnen gefordert und erwartet wird“, sagte Neubeck. Beide Kollegen seien erfahrene Polizisten, die schon viele Jahre im Dienst sind. Ein Beamter, der beide Kollegen kennt, sagte: „Die haben sich lupenrein verhalten und mussten aus Notwehr schießen.“

Den beiden Polizisten gehe es nach dem ersten Schock „momentan wieder ganz gut“, sagt ein Ermittler, der mit ihnen nach der Tat gesprochen hatte. Alexander H. und Björn H. gehören beide zum Abschnitt 55 im Neuköllner Rollbergviertel. Hier arbeitete auch der 42-jährige Hauptkommissar Uwe Lieschied, der am 17. März 2006 von einem Straßenräuber in der Fontanestraße erschossen worden war. Alexander H. war in jener Nacht ebenfalls im Zivilstreifendienst im Einsatz. Allerdings habe er nicht im selben Team mit Lieschied gearbeitet, sagte ein Ermittler. „Er ist damals unmittelbar nach den Schüssen zum Tatort herbeigerufen worden.“ Alexander H. konnte nach einigen Wochen der Trauer und der Bewältigung seinen Zivildienst fortsetzen. Bei Lieschieds Beerdigung hielt er die Grabrede.

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