Totschlag : Messerstecher muss in Psychiatrie

Das Landgericht Berlin hat die dauerhafte Unterbringung eines 22-jährigen Messerstechers in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Aufgrund "krankhafter Wahnvorstellung" sei er schuldunfähig.

BerlinDer Angeklagte, der wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht stand, könne nicht bestraft werden, entschieden jetzt die Richter. Er habe während der Tat unter Wahnvorstellungen gelitten und sei daher schuldunfähig. Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Mann aus Spandau innerhalb einer Woche zwei Männer auf der Straße niedergestochen, weil er sich bedroht fühlte.

Während ein Opfer den Angriff überlebte, war ein 22-jähriger werdender Vater nach zwei Messerstichen in die Brust gestorben. In beiden Fällen habe sich der Angeklagte eingebildet, angegriffen zu werden. Die öffentliche Sicherheit gebiete es, Leute wie ihn in einer Psychiatrie unterzubringen, weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, betonten die Richter. Das Gericht folgte in seiner Entscheidung einem Gutachter.

Der Experte sprach von einer "schleichenden Entwicklung der Wahnvorstellung", nachdem der Angeklagte 1998 selbst Opfer einer Straftat geworden sei. Er habe die Welt als "prinzipiell feindlich" erlebt, in jedem Menschen eine Bedrohung gesehen und immer das Schlimmste angenommen. Der Angeklagte hatte im Prozess ausgesagt, dass er nie ohne Messer aus dem Haus gegangen sei.

Durch den jahrelangen Cannabiskonsum sei die Geisteskrankheit beim Angeklagten noch verstärkt worden, betonte der Vorsitzende Richter. Dem Urteil zufolge wird der Angeklagte so lange in der Psychiatrie bleiben, bis die Erkrankung "in all ihren Facetten" austherapiert ist. (mit ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben