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Tunnel-Coup in Steglitz : Falsches Fahndungsfoto: Student meldet sich selbst bei der Polizei

Panne bei der Polizei: Das Fahndungsfoto eines angeblichen Tunnel-Gangsters war falsch. Es handelt sich um das Bild eines unschuldigen Studenten aus Wuppertal.

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Diese Steglitzer Volksbankfiliale fiel den Tunnelräubern zum Opfer.
Diese Steglitzer Volksbankfiliale fiel den Tunnelräubern zum Opfer.Foto: dpa

Das war ein ganz schöner Schock. Etliche Freunde und Bekannte hatten sich am Dienstagabend bei einem 30-jährigen Studenten aus Wuppertal gemeldet und ihm berichtet, dass er bundesweit im Internet mit Foto zur Fahndung ausgeschrieben ist – als mutmaßlicher Tunnel-Gangster von Berlin-Steglitz. „Der Mann war sehr aufgeregt und rief dann bei den Ermittlern in Berlin an“, sagte ein Polizeisprecher. Nachdem diese mit ihm gesprochen hatten war klar: Die Polizei hatte den Falschen mit Foto in ihrer Öffentlichkeitsfahndung gesucht. Das ergaben sofortige Ermittlungen. Zudem war er zur Tatzeit gar nicht in Deutschland, als in der Nacht zum 14. Januar Einbrecher einen 45 Meter langen Gang von einer Tiefgarage zum Tresorraum der Volksbank in Steglitz gruben und 309 Schließfächer leer räumten.
Der Tagesspiegel hatte schon Dienstagabend Hinweise, dass es sich bei dem Mann nicht um den gesuchten Tatverdächtigen handelte. Die Polizei bestätigte dies aber erst Mittwochfrüh und kündigte an, das Foto vom Server zu nehmen.

Doch wie war es zu der Panne gekommen? Das Foto stammt aus dem gefälschten niederländischen Pass, mit dem einer der mutmaßlichen Bankeinbrecher im Februar 2012 den Stellplatz in der Tiefgarage gemietet hatte. Die Gangster nutzten den abgetrennten Raum, um von dort den Tunnel zu buddeln. Das Foto für den gefälschten Pass hatten die Täter aus dem Internet kopiert. Dort hatte der 30-Jährige aus Wuppertal sein Passbild hoch geladen. Details, etwa ob das Foto von einer Facebook-Seite stammt, nannte die Polizei nicht. Sie warnte jedoch davor, Passbilder ins Internet zu stellen, weil Kriminelle diese leicht zweckentfremden können (siehe dazu Kasten). Die Täter hatten offensichtlich nach einem Passbild im Internet gesucht, das dem Täter ähnlich sieht, der die Garage mit falschen Papieren gemietet hat. Sonst wäre der gefälschte Ausweis nicht authentisch erschienen.
Die Polizei bewertet die Veröffentlichung des falschen Fotos nicht als Ermittlungspanne. „Wir sehen das sogar als Fahndungserfolg. Jetzt wissen wir, wie die Täter vorgingen und woher das Foto stammt.“ Das Foto auf der niederländischen Identitätskarte lag den Beamten schon kurz nach der Tat vor. Denn der Vermieter der Tiefgarage hatte eine Kopie des Ausweises, den der Mieter vorgelegt hatte. „Schnell war klar, dass die Daten gefälscht waren und es eine solche Person nicht gibt", so die Polizei. Am Dienstag fiel der Entschluss, das Foto zu veröffentlichen. Zuvor hatte der Vermieter bestätigt, „dass das Bild dem Garagenmieter ähnlich sieht". Der Fahndung habe ein richterlicher Beschluss zugrunde gelegen. „Es tut uns leid, aber wir haben bei den Ermittlungen sorgfältig gearbeitet“, hieß es.

Rechtsanwalt Helge Reich von der auf Medienrecht spezialisierten Kanzlei „Schertz Bergmann“ kann keine Hinweise erkennen, dass die Polizei schuldhaft gehandelt hat. Der Student könne „wahrscheinlich keine Amtshaftungsansprüche gegenüber der Behörde geltend machen“. Diese müsse aber unverzüglich dafür sorgen, dass sein im Zusammenhang mit der Fahndung veröffentlichtes Passfoto „überall im Netz gelöscht wird“ – nicht nur auf ihrer eigenen Website.
Mittlerweile sind 240 Hinweise eingegangen. Die Fahnder sind zuversichtlich.

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