Überfall am Bahnhof Amrumer Straße : Videofahndung nach U-Bahn-Schlägern

Fünf Tage nach dem brutalem Überfall am Bahnhof Amrumer Straße veröffentlicht die Polizei die Bilder. Auch der Übergriff in der Friedrichstraße beschäftigt die Politiker – und nicht nur die.

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Foto: Polizei Berlin

Fünf Tage nach dem Überfall im U-Bahnhof Amrumer Straße hat die Polizei ein Video aus der Überwachungskamera veröffentlicht. Es zeigt, wie der am Boden liegende 21-Jährige von drei Unbekannten etwa 15 Sekunden lang immer wieder geschlagen und getreten wird. Zuvor war Dave Sch. von einem weiteren Täter so stark gestoßen worden, dass er regelrecht in das Blickfeld der Kamera geschleudert wurde. Der Überfall hatte sich am 28. April gegen 4.20 Uhr auf dem Bahnsteig des Weddinger U-Bahnhofes ereignet. Nach Polizeiangaben wollten die Männer Handy und Halskette von Dave Sch. rauben, dieser hatte sich jedoch gewehrt. Trotz der in der Videosequenz äußerst brutal wirkenden Tritte wurde Sch. nicht schwer verletzt. Er hatte nach einer ambulanten Behandlung die Klinik wieder verlassen. Dem Tagesspiegel sagte das Opfer: „Mir geht es ganz gut. Ich hatte mich gut genug geschützt vor den vielen Kopftritten. Ich habe nur sehr wenige Blessuren davongetragen.“ Sch. hat selbst eine Ausbildung zum Wachmann gemacht.

Auf dem U-Bahnhof wartet derweil die ganze Zeit ein Zug. Auf der Videosequenz ist zu sehen, wie dessen Fahrer aussteigt und sich – langsam – der Schlägerei nähert. Als der BVG-Mitarbeiter dichter herangekommen ist, lassen die drei Schläger ihr Opfer liegen und flüchten mit dem auf der anderen Seite gerade abfahrenden Zug Richtung Osloer Straße. Nach Angaben von BVG-Sprecher Klaus Wazlak hatte der Fahrer bereits bei Einfahrt in die Station die Schlägerei gesehen und über die Leitstelle die Polizei informiert. Nach Polizeiangaben haben sich neben dem Fahrer ein weiterer Mann und eine Frau um das Opfer gekümmert. Der Fahrer hatte dann noch einmal einen Rettungswagen angefordert, sagte Wazlak.

Video
Videofahndung nach Schlägern im U-Bahnhof Amrumer Straße
Videofahndung nach Schlägern im U-Bahnhof Amrumer Straße

Die Bilder wurden erst fünf Tage nach der Tat veröffentlicht, weil die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Nur bei schweren Taten wie versuchtem Totschlag kann – wie im Fall Friedrichstraße geschehen – sofort die Öffentlichkeit eingeschaltet werden. Wie berichtet, hatte die Polizei den Überfall auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße bereits einen Tag nach der Veröffentlichung aufklären können. Der Tatverdächtige Torben P. hatte sich wegen des Fahndungsdrucks der Polizei gestellt. Er gestand die Tat. Weil er nicht vorbestraft war, verschonte ihn ein Richter von der Untersuchungshaft, was Kritik hervorrief.

Auch an der Bettina-von-Arnim-Schule des 18-jährigen Tatverdächtigen im Märkischen Viertel beschäftigt der Gewaltausbruch Lehrer, Eltern und Schüler. Erst im Januar ist Torben P. von einem früheren Gymnasium auf diese Schule gewechselt. Eigentlich hätte er hier am Montag, gleich nach den Osterferien, erscheinen sollen, doch P. wurde nach Angaben der Bildungsverwaltung suspendiert – erst einmal für zehn Tage. Dann soll bereits Anklage erhoben werden. Am Montagabend hatte die Schule aufgrund der Ereignisse zu einer Elternversammlung geladen.

Viele Kinder wirken bedrückt, als sie am Morgen danach von Reportern befragt werden. „Ich finde es nicht gut, dass unser Schulname immer erwähnt wird“, sagt ein Mädchen – und hält sich wieder am Handy fest. Altersgenossinnen erzählen von Freunden, die Torben kannten, „sie sagen, er habe immer nett gewirkt“. Drei Neuntklässler haben bei einem Lehrer Unterricht, der auch vor dem mutmaßlichen Täter in der Klasse stand. „Er hat mit uns darüber diskutiert, ob er als Pädagoge etwas hätte besser machen können“, sagt Daniel. Die drei Jugendlichen finden, ihr Lehrer habe nichts versäumt. Im Unterricht reden viele Klassen über das Geschehene. Ein Oberstufenschüler findet die Vorfälle „alle schlimm.“ Wie sehr Alkohol wie im Fall von Torben enthemme, könne er nicht einschätzen. „Wenn man nicht mittrinkt, steht man schon alleine da.“

Inmitten von Schülern wartet eine in Berlin als Therapeutin tätige Frau auf den Bus. Torben soll unauffällig und Sportler sein – „um solche stillen Schüler, oft mit nach außen unauffälligem Elternhaus, kümmern sich Pädagogen seltener, die stören ja nicht“, sagt sie. Bei jenen Kindern staue sich aber innerlich vieles. Die Bildungsverwaltung steht der Sekundarschule jetzt mit Psychologen bei.

Die jüngsten brutalen Übergriffe in U-Bahnen werden heute im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses besprochen. Auf Antrag der CDU soll Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) vor allem erklären, wieso Torben P. in Freiheit auf seinen Prozess warten darf.

Hinweise an die Polizei: 4664 373 120

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