Überwachung : Verbrecherjagd per Kamera: Video jetzt auf allen Bahnhöfen

Die Polizei sucht mit einer Filmsequenz zwei besonders brutale Räuber. Erst vor wenigen Tagen konnten zwei Schläger durch Bilder überführt werden.

Fatina Keilani
überfall blissestrasse
Zwei gegen einen. U-Bahnhof Blissestraße, am 9. Februar um 6 Uhr früh. Zwei Männer prügeln und treten auf ihr Opfer ein. -Foto: ddp

Am Schluss des Films läuft der brutalere der beiden Täter direkt auf die Kamera zu. Er ist ganz in Weiß gekleidet, vorher konnte man sehr gut sehen, wie er dem am Boden liegenden Opfer mehrmals kräftig gegen den Kopf tritt. Mit dem Video und zwei Fotos aus dem U-Bahnhof Blissestraße sucht die Polizei jetzt in der Öffentlichkeit nach den Tätern. Die Tat hatte sich am 9. Februar ereignet.

Sicher würden sich Zeugen besser erinnern, wenn die Bilder schneller veröffentlicht würden, das gibt auch Polizeisprecher Andreas Polley zu. Wenn so ein Vorfall bekannt werde, frage die Polizei erst einmal die BVG, ob es Filmmaterial gibt. „Die BVG sichtet dann die Bilder und sagt, ob sie brauchbar sind“, so Polley. Dann bekommt die Polizei den Datenträger. Zuerst schaut sie in ihren eigenen Karteien nach dem Gesuchten. Erst danach wird die sogenannte Öffentlichkeitsfahndung gestartet – bei der Staatsanwaltschaft. Die wiederum muss beim Richter einen Beschluss erwirken, und dann erst stellt die Polizei die Bilder ins Internet. Seit vor einem Jahr das Berliner Polizeigesetz geändert wurde, darf die Polizei auch selbst in der U-Bahn filmen. Das tut sie aber nicht – das sei ja überflüssig, schließlich filme die BVG.

Wie viele Täter in Berlin aufgrund von Videoaufnahmen schon geschnappt wurden, wusste die Polizei nicht zu sagen. Erst vor wenigen Tagen wurde aufgrund von Bildmaterial aus dem U-Bahnhof ein Messerangriff aufgeklärt, der auf demselben Bahnhof stattgefunden hatte, ebenfalls im Februar. Gegen die beiden mutmaßlichen Täter ergingen Haftbefehle.

Die BVG hat in einem Pilotprojekt von April 2006 bis April 2007 drei U-Bahnlinien komplett überwacht, und zwar die Linien U 2, U 6 und U 8. In diesem einen Jahr gingen bei der BVG 618 Anfragen der Polizei ein. Nicht immer konnte weitergeholfen werden, denn nur 294 Anfragen bezogen sich auf Vorfälle aus den überwachten Linien. Insgesamt gab die BVG in dem Testjahr 349 Datenträger an die Polizei heraus, meist CDs und DVDs, wie aus einer Senatsmitteilung vom November 2007 hervorgeht (Drucksache 16/1057). Laut Studie wurden BVG-Fahrzeuge ohne Kamera zweieinhalb Mal häufiger mit Graffiti beschmiert oder durch Vandalen beschädigt.

Seit diesem Jahr überwacht die BVG sämtliche 170 U-Bahnhöfe mit Videokameras. Von 1300 Bahn-Wagen sind mittlerweile 392 ausgerüstet; neue Züge werden gleich mit Kamera bestellt. Bei Bussen geht es am schnellsten voran: 636 der 1200 Busse haben mittlerweile Kameras. In den Trams sind es nur 33 von 542. Ziel ist es, alle U-Bahn-Wagen, Busse und Trams mit Kameras auszustatten.

Ob Videoüberwachung die Sicherheit wirklich erhöht, ist umstritten. In London gab es jetzt heftige Kritik daran, dass in der britischen Hauptstadt zwar hunderttausende Kameras laufen, die polizeiliche Bilderauswertung aber mangelhaft ist. Das passiert bei uns nicht, allein schon weil es viel weniger Datenmaterial gibt.

Anders als etwa in London gibt es in Berlin keine Videoüberwachung öffentlicher Straßen und Plätze. „Auch nicht an gefährlichen Orten“, sagt Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. Das ist eine politische Entscheidung, die der rot-rote Senat getroffen hat. Dort ist man überzeugt, dass Videoüberwachung wenig nützt, aber ein schwerer Eingriff in Bürgerrechte ist. „Kriminalität wird dadurch nicht verhindert, sondern nur an andere Orte verdrängt“, sagt der SPD-Innenpolitiker Thomas Kleineidam.

Deutsche Datenschützer haben in der Filmerei bisher immer einen schweren Eingriff in Rechte des Bürgers gesehen. Bei einer Umfrage der BVG hat sich aber herausgestellt, dass die meisten Menschen lieber vor Straftätern als vor Kameras geschützt werden wollen – 80 Prozent der Befragten waren für Videoüberwachung.

Das Video ist zu sehen auf der Homepage der Polizei Berlin

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