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Unfall in Charlottenburg : Kleinwagen stürzt von Stadtautobahn

Auch eine Betonbrüstung konnte ihr Auto nicht stoppen: Sieben Meter tief flog das Auto einer 22-Jährigen, nachdem es mit einem Wagen kollidiert war - dann landete es auf dem Dach in einem Kleingarten. Die Fahrerin erlitt schwerste Kopfverletzungen.

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08.01.2012: Am Samstagabend ereignet sich ein schwerer Unfall auf dem Stadtring in Charlottenburg. Ein Kleinwagen vom Typ Smart durchbricht kurz vor 20 Uhr die rechte Begrenzungsmauer in Richtung Norden und fällt sieben Meter tief von einer Brücke in eine Kleingartenkolonie kurz vor der Anschlussstelle Kaiserdamm.Alle Bilder anzeigen
Foto: Thomas Schröder
08.01.2012 14:4908.01.2012: Am Samstagabend ereignet sich ein schwerer Unfall auf dem Stadtring in Charlottenburg. Ein Kleinwagen vom Typ Smart...

Im Kleingarten liegen die Trümmer des schrecklichen Unfalls verstreut: die zersplitterte Frontscheibe, die Motorhaube, das verbeulte Kennzeichen, eine Jacke und Stoff voller Blut, Weintrauben und Erdnüsse aus dem Wagen der 22-Jährigen. In Folge eines Unfalls, der vor ihr geschah, kippte ihr Auto über die Betonbrüstung – und der Smart-Viersitzer stürzte sieben Meter tief von der Autobahn auf eine Parzelle der Kleingartenkolonie „Bahn- Landwirtschaft e.V.“ an der Charlottenburger Dernburgstraße. Die Frau schwebte am Sonntag nach Polizeiangaben in Lebensgefahr.

Den Unfall hatte ein 21-jähriger BMW-Fahrer ausgelöst. Kurz vor 20 Uhr hatte er hinter dem Dreieck Funkturm in Richtung Norden die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Warum, ist noch unklar. Möglicherweise war der Mann zu schnell oder hatte auf regennasser Straße die Gewalt über das Fahrzeug verloren.

Sein 3-er BMW berührte die Begrenzungsmauer und kollidierte mit einem Ford, der auf der mittleren der drei Spuren fuhr. Der 58-jährige Ford-Fahrer krachte ebenfalls in die Mauer. Ob der Wagen den Smart der jungen Frau mit Lübecker Kennzeichen, der in der Nähe fuhr, noch berührte oder ob sie vor Schreck das Lenkrad verriss, ist unklar.

Ansicht der Unfallstelle:

Vermutlich sei der Smart gekippt oder nur noch auf zwei Rädern gefahren, vermuteten Feuerwehrmänner an der Unglückstelle. Nur so habe der leichte Wagen über die etwa einen Meter hohe Betonbrüstung schleudern können. Der Kleinwagen stürzte mit dem Dach zuerst in ein Beet der Kleingartenkolonie, die sich direkt an der Autobahn befindet.

Die 22-Jährige war längere Zeit eingeklemmt. Die Feuerwehr musste das Wrack aufschneiden, eine Polizistin und ein Notarzt sprachen der Frau so lange Mut zu. Sie wurde mit schwersten Kopfverletzungen ins Virchow-Krankenhaus in Wedding gebracht. Die beiden anderen Unfallbeteiligten, der Fahrer des BMW und der des Ford, blieben unverletzt. Die Autobahn war zur Bergung des abgestürzten Wagens mit einem Feuerwehrkran und zur Unfallaufnahme in Richtung Norden drei Stunden gesperrt.

Kleingärtnerin Katja Dutschke wurde Zeugin des Geschehens. Auf ihrem Handy hat sie noch Fotos der Bergung. Gestern sah sich die 34-jährige Krankenpflegerin noch einmal den Unfallort im spitzen Winkel der Laubenkolonie an. Infusionen, Spritzen, ein Tropfbeutel liegen auf der Erde verstreut. Sie sagte, sie sei froh, dass die Parzelle ihrer Familie nicht direkt an der Autobahn ist.

Die Polizei hat die Unfallstelle mit dem seit wenigen Wochen eingesetzten digitalen 3D-Scanner vermessen. Der Unfall geschah auf einem fast geraden Abschnitt, kurz hinter den Kurven am Dreieck. Dort überquert die Autobahn die Ringbahn. Zum Glück sei der Wagen nicht auf die Gleise gestürzt, hieß es am Sonntag. Der Unfall ist außergewöhnlich: In Erinnerung ist Bahnern allenfalls ein vergleichbarer Unfall im Sommer, als in Rheinland-Pfalz ein Müllwagen auf Gleise stürzte und ein ICE mitten hinein fuhr. 15 Fahrgäste wurden verletzt.

Die Kleingärtner Edward und Renate Kunert sehen am Sonntag in der abgeschlossenen Gartenanlage in Charlottenburg nach dem Rechten. Sie fordern, die Schutzmauer an der Autobahn müsse dringend erhöht werden. „Ich traue mich jetzt nicht mehr, den kleinen Weg unten an der Autobahnmauer entlangzugehen“, sagt Edward Kunert. Im Winter müsse man dort schon mal abgerissene Rückspiegel oder Scheibenwischer aufheben.

Tatsächlich kam es bereits gestern an gleicher Stelle erneut zu einem Unfall. Gegen 13.40 Uhr verlor laut Polizei ein Mann die Kontrolle über sein Auto und schleuderte gegen die Mauer. Zwei Spuren wurden kurzzeitig gesperrt. Warum er ins Schleudern geraten war, konnte der Fahrer nicht sagen. Er blieb unverletzt.

Der Unfall blieb nicht der einzige am Samstagabend. Nur 45 Minuten später erlitt ein Mann schwere Kopfverletzungen. Sein Wagen war in der Kurve zwischen der A113 und der A100 in Neukölln ins Schleudern geraten – und gegen beide Leitplanken gekracht. Hier hat die Schutzvorrichtung nicht versagt.

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