Unfall in Spandau : Drei Arbeiter auf BSR-Schlackegrube getötet

Auf einer Müllverbrennungsanlage der Berliner Stadtreinigung in Spandau ist es zu einem tragischen Unfall gekommen: Drei Mitarbeiter einer anderen Firma starben, als eine Hebebühne auf sie fiel.

Daniel Ständer
BSR
BSR-Gelände. Ein Spezialteam der Feuerwehr versucht den Verschütteten zu helfen. -Foto: dpa

Bei Wartungsarbeiten im Abfallbehandlungswerk Nord der Berliner Stadtreinigung (BSR) in Ruhleben sind am Donnerstagvormittag drei Mitarbeiter einer Fremdfirma tödlich verunglückt. Die 19, 43 und 56 Jahre alten Männer, die aus dem Berliner Umland stammen, waren mit Wartungsarbeiten an einer Kranvorrichtung in der Müllverbrennungsanlage beschäftigt. Hierfür arbeiteten sie auf einer an der Decke befestigten Plattform in einer Höhe von ungefähr zehn Metern über dem sogenannten Schlackebunker. Darin werden Verbrennungsrückstände der Anlage gesammelt. Zum Zeitpunkt der Wartungen sei der Schlackebunker allerdings leer gewesen.

Laut Polizeisprecher Thomas Neuendorf habe sich aus bisher nicht geklärter Ursache die Plattform von der Decke gelöst, sodass die Arbeiter herunterfielen und dann unter der herabstürzenden, mehrere Tonnen schweren Plattform begraben wurden. Zurzeit untersuchen Kriminalpolizei und das Landesamt für Arbeits- und Gesundheitsschutz (Lagetsi) die genaue Unfallursache. Thomas Neuendorf wollte menschliches Versagen, bzw. Fahrlässigkeit nicht ausschließen. Eine vorsätzliche Tat schloss er aber als „absurd“ aus. Den Namen der mit den Wartungsarbeiten beauftragten Firma aus dem Berliner Umland wollte Neuendorf aus Rücksicht auf die Angehörigen der Opfer nicht nennen.

Nach Angaben von Sven Gerling von der Berliner Feuerwehr konnten die drei Männer nur tot geborgen werden. Gehrling dementierte erste Meldungen, nach denen die eintreffende Feuerwehr die Verunglückten zwar nicht sehen, aber hören konnte. „Das war ein Übermittlungsfehler“, sagte Gerling. Die Männer seien beim Eintreffen der Feuerwehr schon tot gewesen. Der Unfall habe sich um kurz nach zehn Uhr morgens ereignet, zwei Mitarbeiter der Wartungsfirma hätten sofort die Feuerwehr gerufen, die zehn Minuten später am Unfallort eintraf. Die Unfallzeugen wurden von Psychologen der Feuerwehr und der Stadtreinigung behandelt. Laut Polizeisprecher Thomas Neuendorf stehen die Kollegen der Opfer noch immer unter Schock.

Der Unfallort ist gesperrt, die Arbeit im Schlackebunker wurde bisher noch nicht wieder aufgenommen. Sabine Thümler von der Berliner Stadtreinigung sprach von einem „tragischen Unfall“, das Geschehen tue der BSR leid. Sie schloss eine Beeinträchtigung der Stadtreinigung aber aus: „Wir werden kein Problem haben, den Müll zu entsorgen.“ Die Kranvorrichtung, an der die Wartungsarbeiten vorgenommen wurden, wird zur Zeit noch von Unfallgutachtern untersucht.

„Wir haben in Berlin jedes Jahr zwischen zehn und zwanzig tödliche Arbeitsunfälle“, sagt Robert Rath, vom Landesamt für Arbeits- und Gesundheitsschutz (Lagetsi). „Fast alle dieser Unfälle passieren auf Baustellen“, erklärt Rath – die meisten durch Abstürze. Viele der Gerüste seien ungenügend gesichert. „So eine Baustelle ist eben ein organisches Gebilde, bei dem sich alles ständig verändert. Ein Bauarbeiter braucht da alle fünf Sinne.“ Als häufige Ursache von Arbeitsunfällen nannte Rath schlechtes „Fremdfirmenmanagement“, die Absprachen zwischen Auftraggeber- und Fremdfirmen seien nicht ausreichend.

Sabine Thümler von der BSR schloss eine Beeinträchtigung der Stadtreinigung selbst aber aus: "Wir werden kein Problem haben, den Müll zu entsorgen."

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