Unfall : Tod im Gleisbett

Ein Jugendlicher wollte im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte einen Ball zurückholen und erlitt einen Stromschlag.

Mit seinen Freunden hatte der 17-jährige Björn R. die Nacht über an der Krummen Lanke gefeiert und getrunken. Auf dem Heimweg nach Tempelhof kam es dann am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte zum tödlichen Unglück: Björn fiel im Gleisbett auf eine Starkstromschiene und starb durch den Stromschlag.

Es war gegen 6.30 Uhr, als die Gruppe Jugendlicher im U-Bahnhof auf den Zug stadteinwärts wartete. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, spielte sie offenbar mit einem Gummiball. Plötzlich fiel dieser ins Gleisbett, und Björn stieg hinterher. Unten geriet er ins Straucheln und fiel auf die 750 Kilovolt Starkstrom führende Schiene, die seitlich am Gleis angebracht ist. Seine Freunde zogen Björn von den Schienen zurück auf den Bahnsteig und riefen einen Notarzt. Eine halbe Stunde lang versuchte dieser, den Jugendlichen wiederzubeleben – vergeblich. Björn starb gegen 7 Uhr an den schweren Verletzungen.

Die örtliche Kriminalpolizei ermittelt nun in dem Fall. Bislang haben die Beamten den Hergang des Unglücks anhand der Aussagen der Freunde Björns rekonstruiert. „Die Leiche wird noch obduziert, auch um festzustellen, wie viel Alkohol das Opfer getrunken hatte“, sagte ein Polizeisprecher. Der U-Bahn-Verkehr war für eine Stunde unterbrochen.

Die Stromschienen der U-Bahn sind bei den älteren U-Bahn-Strecken besonders gefährlich. Auf den Linien U 1 bis U 4 streicht der Stromabnehmer der Fahrzeuge von oben über die Stromschiene. Diese kann deshalb nur an den Seiten und unten abgedeckt werden, oben muss die stromführende Schiene frei bleiben. Ein Kontakt wird sofort zur tödlichen Gefahr. Weil auch Mitarbeiter der BVG, die auf den Gleisen unterwegs sein müssen, erheblich gefährdet sind, ist die Schutzverkleidung auffällig gelb lackiert. Dieser Bereich muss gemieden werden, signalisiert die Farbe.

Erst beim Bau weiterer Strecken kurz vor dem Ersten Weltkrieg ging man dazu über, die Stromschienen von unten zu bestreichen. Dies erfordert eine aufwendigere technische Lösung, die beim Start der U-Bahn in Berlin wohl nicht vorhanden war. Diese Stromschienen bieten mehr Sicherheit, weil sie auch oben abgedeckt sind. Die S-Bahn verwendet dieses System ebenfalls. Ein Umbau der alten Anlagen wäre nur mit einem sehr großen Aufwand und einer zeitweisen Einstellung des Betriebs möglich.

In Bahnhöfen sind die Stromschienen in der Regel auf der vom Bahnsteig entfernt liegenden Seite der Gleise angebracht. Auch so soll bei einem Sturz der Kontakt mit der Stromschiene vermieden werden. kt/tabu

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