Untreue : Auf Kosten der SPD eingekauft: Bewährungsstrafe für 33-Jährige

Handys, Kaffeemaschinen, Drucker und Notebooks: Waren im Wert von über 76.000 Euro hat eine Sachbearbeiterin in der Beschaffungsstelle der SPD-Bundestagsfraktion eingekauft, doch die Partei hat die Errungenschaften nie zu Gesicht bekommen.

Die untreue Mitarbeiterin saß an der Quelle. Bianca R. war Sachbearbeiterin in der Beschaffungsstelle der SPD-Bundestagsfraktion – und sie beschaffte ordentlich. Etliche Bestellungen gingen über ihren Tisch. Ob Kaffeemaschinen, Drucker, Notebooks oder Handys. Doch Waren im Wert von 76 800 Euro landeten nie in einem Büro der SPD. „Ich bin erschrocken, wie verlogen ich sein kann“, schrieb die 33-Jährige schließlich in ihrer Selbstanzeige. Gestern wurde sie wegen Untreue und Unterschlagung zu einen Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Fast vier Jahre lang fiel der Schwindel nicht auf. Bianca R. bestellte zwischen August 2002 und März 2006 in über 100 Fällen Dinge, die in der Fraktion gar nicht fehlten. Sie zeichnete die Vorgänge als sachlich richtig ab, benutzte fiktive Beschaffungsnummern und Buchungstitel, mogelte die Vorgänge an dem Chef vorbei. Die manipulierten Rechnungen legte sie dann der Finanzbuchhaltung vor, die die Überweisungen tätigte.

Weinend saß die Frau nun vor dem Amtsgericht. Bei der SPD-Bundestagsfraktion hatte sie bereits vor langer Zeit ihre Ausbildung gemacht. Das war noch in der einstigen Bundeshauptstadt Bonn. Die Sache mit den unberechtigten Bestellungen sei „zwanghaft“ geworden, beteuerte sie in ihrer Selbstanzeige. Manche der erhaltenen Geräte habe sie für sich verwendet, andere verschenkt, zu Schleuderpreisen verkauft oder sogar ohne Absender an verschiedenste ausgedachte Adressen geschickte.

„Da scheint etwas Irreales abgelaufen zu sein“, hieß es im Gerichtsurteil. Es sei nicht recht erklärlich, was die Frau mit den Taten überhaupt wollte. Derzeit arbeitet sie in einem Amt in Brandenburg. Doch der Vertrag läuft dort aus. Die Schulden will sie auf jeden Fall zurückzahlen. Rund 30 000 Euro sind bereits von ihrem Konto bei der SPD angekommen. Den „Rest“ will die Frau bis zum Dezember des Jahres 2020 langsam abstottern. K. G.

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