Urteil : Freund von Modedesignerin kein Babymörder

Nach dem Tod des Babys einer Berliner Modedesignerin hat das Landgericht den damaligen Freund der Frau aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der 25-Jährige stand wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht.

BerlinDer gebürtige Kameruner war angeklagt, im April dem sechs Monate alten Säugling durch heftiges Schütteln schwerste Hirnverletzungen zugefügt zu haben, so dass der Junge fünf Tage später an den Folgen der Misshandlungen starb. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft gefordert.

Für das Gericht stand lediglich fest, dass der Säugling geschüttelt worden war. "Es greift aber zu kurz, dass nur der Angeklagte, in dessen Obhut sich das Kind an jenem Morgen befand, der Täter ist", sagte die Richterin. Weil die Schuldfrage nicht sicher zu klären war, wurde der Angeklagte freigesprochen. Insbesondere der Zeitpunkt der Misshandlung habe sich nicht genau feststellen lassen, hieß es. Es sei nicht auszuschließen, dass auch die Mutter "in einer momentanen Überreaktion" das Kind an dem Morgen geschüttelt habe. Der Säugling war ein sogenanntes Schreikind.

Nach Überzeugung des Gerichts war das Baby bereits zuvor "grob angefasst, wenn nicht sogar geschlagen" worden. Mediziner hatten einen "älteren Rippenbruch" und "an mehreren Stellen des Körpers Spuren stumpfer Gewalteinwirkung" festgestellt. Die Frau, die ansonsten als "überfürsorgliche Mutter, die reihenweise Ärzte aufsuchte", beschrieben wurde, wollte diese Verletzungen nicht bemerkt haben. Der Angeklagte und die Mutter hatten eine "unangemessene Behandlung" im Prozess bestritten. "Das war sicher gelogen", sagte die Richterin. Denn die deutlichen blauen Flecken seien nicht zu übersehen gewesen. (nal/ddp)

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