Urteil : Im Flugzeug telefoniert – 1000 Euro Geldstrafe

Ein Passagier zeigte seinen Sitznachbar an, weil dieser offenbar während auch während des Fluges lautstarke Telefonate führte.

von

Die Durchsage kam routinemäßig und war unmissverständlich: „Mobiltelefone müssen während des gesamten Fluges ausgeschaltet bleiben.“ Doch Robert M., ein 42-jähriger Vielflieger mit derzeitigem Wohnsitz in Spanien, legte sein Handy nicht aus der Hand. Ein anderer Passagier zeigte den Handybesitzer an: Weil M. beim Start am 27. August 2008 in Düsseldorf und bei der Landung in Tegel telefoniert haben soll, landete er gestern vor Gericht.

Der Angeklagte stöhnte. Drei Tage war der Pizzabäcker unterwegs, um von Marbella pünktlich zum Prozess wegen Verstoßes gegen das Luftverkehrsgesetz in Berlin zu kommen. „Fliegen geht ja nicht, musste das Auto nehmen.“ Aber er wolle für sein Recht kämpfen. „Ich hatte mein Handy auf Flugmodus umgestellt und nur Spielchen gespielt“, behauptete er. So verhalte er sich immer: „Ich bin schon 500 Mal geflogen.“

Doch einem anderen Passagier fiel er als Handy-Quasselstrippe auf, die auch an Bord das Telefonieren nicht lassen konnte. „Schon im Abfertigungsgebäude unterhielt er den ganzen Saal“, erklärte Bernd H., ein grauhaariger Referent von 50 Jahren. Im Flieger seien die lautstarken Telefonate weitergegangen. Auch bei der Landung. „Die Vorderräder waren noch in der Luft“, versicherte der Zeuge. Ob Robert M. gespielt haben könnte? Der Referent schüttelte den Kopf: „Er hatte die rechte Hand am rechten Ohr.“ Es sei um ein Auto gegangen, dass M. kaufen oder verkaufen wollte. Der Zeuge: „Mit Handyspielchen hatte das nichts zu tun.“

Der genervte Referent hatte den Eindruck, dass die Crew „die Ohren zumachte“. Auch das ärgerte ihn. Wieder am Boden zeigte er den Sitznachbarn an. Schließlich gebe es im Flugzeug ja gleich ein Dutzend hoch sensibler Empfänger. Ein eingeschaltetes Handy könnte also theoretisch gefährlich sein. Ein spezielles Funknetz an Bord, das Passagieren das Telefonieren ermöglicht, gab es nicht.

Der Pizzabäcker erhielt einige Monate später einen Strafbefehl ins Haus. Eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 20 Euro sollte er zahlen. Er legte Einspruch ein und erzwang so eine Verhandlung in Berlin. Der Referent aber klang sehr glaubwürdig. „Nehmen Sie den Einspruch zurück“, legte die Richterin dem Mann aus Marbella nahe. Der aus Neuruppin stammende M. überlegte sich die Sache – und gab auf. Ein teures Verfahren. 1000 Euro Strafe und obendrein Reisekosten. „Insgesamt um die 5000 Euro“, rechnete der Angeklagte zusammen. Kerstin Gehrke

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben