Urteil : Kalte Duschen statt Notarzt

Der Junge hatte heimlich ein schweres Schmerzmittel geschluckt. Es folgte eine Tortur mit Kaffee und kalten Duschen. Am Montag wurde die Mutter aus Neukölln wegen schwerer Misshandlung ihres Sohnes verurteilt.

Wegen schwerer Misshandlung wurde die 26-jährige Frau gestern zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Gegen ihren 47-jährigen damaligen Freund erging eine Gesamtstrafe von zweieinhalb Jahren Gefängnis.

Der Junge wehrte sich heftig, als er unter die Dusche gezerrt wurde. Thilo S., der damalige Lebensgefährte der Mutter, aber hielt ihn an Armen und Schultern fest. Viktor (Name geändert) hatte keine Chance, dem harten Griff des Erwachsenen zu entkommen. Sie wollten das Kind wach halten. So hatte es Thilo S. geraten. Er habe sich eingebildet, die Wirkung der morphinhaltigen Tablette einschätzen zu können, hieß es im Urteil. Snezana K. habe sich nur „allzu gern“ auf die medizinische Halbbildung ihres damaligen Partners verlassen, um den Vorfall mit dem Schmerzmittel zu vertuschen. „Sie wollte vermeiden, vom Jugendamt besonders kontrolliert zu werden.“

Die Frau aus Neukölln ließ 36 Stunden vergehen, ehe sie am frühen Morgen des 24. Juni 2006 Hilfe holte. Da bekam Viktor kaum noch Luft. Ein Sanitäter stellte bei dem Kind eine Körpertemperatur von nur noch 34 Grad fest. Im Krankenhaus wurde eine Lungenentzündung diagnostiziert. Das Kind hatte Erbrochenes in der Lunge. Wäre der Junge gleich nach Entdeckung der Tabletteneinnahme ins Krankenhaus gekommen, wäre ihm viel Leid erspart geblieben. „Ihm wäre einmalig ein Gegenmittel verabreicht worden“, sagte der Vorsitzende Richter.

Der Junge lebt mittlerweile bei einer Pflegefamilie. Er soll sich gut entwickelt haben. Seiner Mutter warf das Gericht eine böswillige Verletzung der Fürsorgepflicht vor. Aus „Eigennutz“ habe sie verhindern wollen, dass die Verhältnisse in der Familie nach außen dringen. Ihr damaliger Freund wurde der Beihilfe zur schweren Misshandlung von Schutzbefohlenen sowie Körperverletzung schuldig gesprochen. Außerdem wurde S. wegen Besitzes einer Waffe bestraft. K. G.

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