Urteil : Zweieinhalb Jahre Haft für Autozündler

Der angeklagte 25-jähriger Fotograf legte im Prozess um drei Anschläge überraschend ein Geständnis ab. Die Staatsanwältin hatte zwei Jahre und zehn Monate Haft gegen P. verlangt – auch, um Nachahmer abzuschrecken.

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Vor allem 2011 haben in Berlin immer wieder Autos gebrannt. Im November hat die Polizei zwei mutmaßliche Brandstifter festgenommen, die durch ihre Zündeleien eine heftige Explosion ausgelöst haben sollen. Neue Aufmerksamkeit erfahren die Autobrände nun, weil die Berliner Polizei bei einem Fall flächendeckend Handy-Daten ausgewertet hat.Weitere Bilder anzeigen
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04.11.2011 20:21Vor allem 2011 haben in Berlin immer wieder Autos gebrannt. Im November hat die Polizei zwei mutmaßliche Brandstifter...

Berlin - Die Justiz reagierte schnell und spürbar: Nur zwei Monate nach seiner Verhaftung wurde ein Autobrandstifter zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der 25-jährige Tobias P. war auf frischer Tat gefasst worden. Im Minutentakt hatte er in Mitte drei Fahrzeuge angezündet. Es sei legitim, politisch gegen den „bevorzugten motorisierten Individualverkehr“ zu opponieren. Wer aber mit Brandanschlägen Terror verübe, begehe ein schwerwiegendes Verbrechen, sagte Richter Manfred Seiffe.

Tobias P. hatte sich im Prozess zwar überraschend geständig, aber nicht redselig gezeigt. Über seinen Verteidiger gab er zwar alles zu, zu möglichen Motiven oder Umständen der Tat aber kein Wort. Ein Schuldspruch lag von Anfang an in der Luft, da die Beweislage sehr gut war. Bei der Polizei schwieg er. Jetzt konnte er sich mit seiner Aussage zwar etwas Rabatt verschaffen, doch die erhoffte Bewährung gab es nicht. Die Staatsanwaltschaft konnte im Zusammenhang mit der seit Jahren andauernden Serie von Autozündeleien in Berlin zum zweiten Mal eine Gefängnisstrafe durchsetzen. Die erste war 2009 verhängt worden, danach gab es Freisprüche oder Bewährung.

Der Brandstifter ist ein freiberuflicher Fotograf aus Friedrichshain. Die meisten seiner Bilder soll er auf linken Veranstaltungen und bei Polizeieinsätzen gemacht haben. Er war Bundespolizisten, die die Berliner Brandstreifen unterstützten, am frühen Morgen des 24. September aufgefallen. Dunkel gekleidet war er, sah sich verdächtig um und wirkte hektisch. Zivilfahnder verfolgten ihn. Es war 3.38 Uhr, als in der Joachimstraße ein hochwertiger Audi einer Firma für Medizintechnik brannte. Es blieb aber bei einem kleineren Schaden am Kühlergrill, weil das Feuer rechtzeitig gelöscht wurde. Nur vier Minuten später hatte er erneut ein Feuerzeug in der Hand und machte sich in der Gormannstraße an einem BMW zu schaffen. Das Fahrzeug im Wert von 32 000 Euro brannte aus. Die Flammen griffen zudem auf einen VW Polo über und hinterließen deutliche Spuren. Weitere vier Minuten später hockte Tobias P. an einem Audi im Wert von 67 000 Euro. Dann stand er auf und ging weiter. Die Flamme war noch klein, als sie von Polizisten gelöscht wurde. P. wurde kurz darauf abgeführt.

Der Verdächtige kam in Untersuchungshaft. Es war keine erstmalige Situation für ihn. Tobias P. hatte bereits im November 2009 Schlagzeilen verursacht. Er war in der Nähe eines brennenden Autos in Friedrichshain festgenommen worden. Die linke Szene mobilisierte daraufhin Protestveranstaltungen. Tobias P., Sohn eines Ex-Kommunalpolitikers der Linkspartei, kam nach 40 Tagen frei. Der Verdacht hatte sich nicht erhärten lassen.

Die Staatsanwältin hatte zwei Jahre und zehn Monate Haft gegen P. verlangt – auch, um durch Härte mögliche Nachahmer abzuschrecken. Der Verteidiger sorgte für Erstaunen. Er bagatellisierte Brandanschläge auf Fahrzeuge als „nicht so schlimm“. Der Täter sei „wahrscheinlich jemand, der etwas gegen Autos hat“. Er deutete wohl P.s Motiv an. Verständnis der anderen Juristen erntete er nicht. Weil P. laut Gutachten erheblich angetrunken war, ging das Gericht aber von verminderter Schuldfähigkeit aus. Gegen Meldeauflagen kam er zunächst frei.

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