Vandalismus : Graffiti-Sprayer: Ausgeschmiert

Erfolg gegen Graffiti-Sprayer: Die Bundespolizei nahm am Bahnhof Ostkreuz einen stadtbekannten Sprüher fest. Im Internet sind 160 seiner "Werke" abgebildet.

Jörn Hasselmann
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Wo ist der Sprayer? Im vergangenen Jahr gab es 15.000 Anzeigen wegen Sachbeschädigung doch die Aufklärungsquote der Polizei ist...

Er hat Friedrichshain seit Jahren vollgeschmiert. Metergroß und in allen bunten Farben prangen die vier Buchstaben „Orak“ im Bezirk – an Brücken, Häusern, U-Bahnhöfen, Mauern, Zäunen – überall. Am Donnerstagabend hat die Bundespolizei „Orak“ wieder einmal festgenommen. Der 26-Jährige hatte bereits 20 Quadratmeter an einer Brücke zwischen den S-Bahnhöfen Ostkreuz und Warschauer Straße „gebombt“, wie es in der Szene heißt. Eine Zivilstreife der Bundespolizei fand diverse Spraydosen bei dem jungen Mann. Tage zuvor soll Orak den Pfeiler der Modersohnbrücke, die quer über die Gleise verläuft, mit schwarzer Farbe grundiert haben – damit sich der Schriftzug besser abhebt. Wegen des totalen Umbaus der Gleisanlagen am Ostkreuz ist die Bundespolizei dort nachts noch präsenter als sonst – weil die Schmiererszene geradezu auf „frische“ Wände wartet, wie ein Beamter sagte. Neugebaute Pfeiler und Wände sowie Zäune würden regelrecht ausgespäht. Es war der dritte größere Fahndungserfolg in diesem Monat. Vor einer Woche hatte es eine Razzia bei einer 30-köpfigen „Crew“ gegeben.

„Orak“, der inzwischen wieder auf freiem Fuß ist, heißt im wahren Leben Maximilian R. und hat bei der Polizei eine seit dem Jahr 2000 stetig anwachsende Akte. Vor allem Sachbeschädigungen, sprich Graffiti, sind darin vermerkt, aber auch Drogendelikte. Verurteilt wurde er allerdings noch nie. Er wohnt in Friedrichshain und schmiert in Friedrichshain. In allen einschlägigen Internetseiten der Szene lassen sich Oraks „Bombings“ (die Buchstaben seines Namens) ansehen. Denn Eitelkeit gehört in der Szene einfach dazu. Die Bilder sollen gesehen werden, entweder bei der Vorbeifahrt mit dem Zug oder eben im Internet. Bei „Streetfiles.org“ sind zu Orak sogar 160 Fotos eingestellt. Bei graffitibox.de datiert der jüngste Eintrag eines „Werkes“ von vergangener Woche.

Bei der Bundespolizei gilt R. als Einzeltäter, auch wenn er ab und zu in Gesellschaft nachts loszieht. Maximilian R. gehört zum harten Kern der Berliner Graffitiszene, die nach Einschätzung der Ermittler etwa 150 Personen umfasst. Sie sind jung, männlich, deutsch – und gewaltbereit. Ein Sprecher der Bundespolizei warnte  davor, Sprayer bei der Tat anzusprechen. „Beobachten und die Polizei alarmieren“, so der Ratschlag. Mehrfach hat es in den vergangenen Jahren Fälle gegeben, in denen erwischte Schmierer Messer oder Totschläger gegen Zeugen oder Polizisten einsetzten. Ebenso rücksichtslos ist der harte Kern gegen das eigene Leben. Vor einem Jahr starb ein 31-Jähriger, der als „Kmer“ reichlich Ruhm in der Szene gesammelt hatte, am Karower Kreuz. Ein Zug hatte ihn beim Sprühen erfasst. Miran W. war nicht der erste Tote.

Im Jahr 2008 registrierte die Polizei knapp 15 000 Anzeigen wegen Sachbeschädigung. Doch die Dunkelziffer ist hoch. Die meisten Hauseigentümer tünchen „Tags“ (einfache Schriftzüge) einfach über und verzichten auf Anzeige – denn es bringt ohnehin nichts. Etwa neun Millionen Euro gibt die BVG jährlich für die Beseitigung von Vandalismusschäden auf – 2007 konnten nur 11 000 Euro bei den Tätern wieder eingetrieben werden. Derzeit hat die Bundespolizei einen anderen jungen Mann des harten Kerns im Visier. Ihm haben die Spezialisten etwa hundert Taten nachgewiesen. Der Schaden: 316 000 Euro.

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