Vater schüttelte Baby zu Tode : Angeklagter Manager bestreitet Vorwurf im Prozess

Der 42-jährige Manager Andreas S. soll sein Baby geschlagen, geschüttelt und tödlich verletzt haben. Doch der Angeklagte bestreitet die Tat - und geht vor Gericht auf Konfrontationskurs.

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Berlin - Ärzte kämpften tagelang um das Leben des fünf Monate alten Mädchens. Doch die Kopfverletzungen, die Nahla erlitten hatte, waren zu schwer. Ihr Vater saß bereits in Haft, als er von ihrem Tod erfuhr. „Ich brach zusammen“, schluchzte er am Dienstag vor Gericht. „Ich war der stolzeste Vater, ich bin unschuldig, ich weiß nicht, was passiert ist.“ Die Anklägerin aber hält ihn für den Täter. Der 42-jährige Manager Andreas S. soll sein Baby geschlagen, geschüttelt, gegen eine Wand oder einen Gegenstand gestoßen haben. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Nahla sei ein Wunschkind gewesen, sagte der Angeklagte. Er hatte in der Untersuchungshaft aufgeschrieben, was er den Richtern erklären wollte. „Die Vorwürfe sind völlig haltlos“, beteuerte er. Er habe das Mädchen am 20. März röchelnd im Bett gefunden. Gemeinsam mit der Mutter des Kindes habe er Nahla sofort in das Klinikum Buch gebracht. Während das Baby operiert wurde, kamen bereits Polizisten. „Eine Beamtin beschuldigte mich, ich verschloss mich mehr und mehr.“ Man wollte ihm etwas anhängen. Indirekt brachte er die 26-jährige Mutter ins Spiel.

Der Manager und seine damalige Lebensgefährtin waren seit 2009 ein Paar. Er hatte nach seiner Version immer den Wunsch, eine große Familie zu haben. „Bei uns war die Rollenverteilung klassisch“, sagte der Angeklagte, der offenbar gut verdiente mit der Vermarktung von Maschinen. Die Mutter sei mit dem Baby zu Hause gewesen. „Aber ich habe mich auch um das Kind gekümmert“, schob er hinterher. Morgens habe er die Kleine gewickelt und gefüttert, zweimal die Woche habe er früher Feierabend gemacht.

Die Fronten sind verhärtet, die Eltern wurden nach der Tragödie zu Gegnern. Sie treten auch im Prozess so auf. Andreas S. schilderte seine Ex-Freundin als eine Frau, die „viel Zeit für Nagelstudio, Solarium, Shopping“ wollte. Die 26-Jährige sei oft erst aufgestanden, wenn er bereits aus dem Haus war. Und sie habe sich bis Februar auch auf professionelle Hilfe verlassen können. Eine Putzfrau und ein Kindermädchen seien für insgesamt 27 Stunden die Woche gekommen. Im März aber seien beide ausgefallen.

In der Tatnacht soll Andreas S. sein Baby gepackt haben. Es sei zwischen 17 und 7 Uhr geschehen. An jenem Montag, so der Angeklagte, habe er Nahla übernommen, weil sich ihre Mutter sonnen wollte. Die Kleine habe getrunken und nicht geweint. In der Nacht zu Dienstag sei seine Ex-Frau jedoch „ganz schön sauer“ geworden, weil das Baby unruhig war. Am Tag seien sie dann mit Nahla unterwegs gewesen, hätten aber keine Verletzungen bemerkt.

Zeugen, darunter auch seine Ex-Partnerin, hatten ihn als erst liebevollen Vater, dann aber als das „komplette Gegenteil“ beschrieben. Er sei nicht perfekt und habe früher bei Stress auch Drogen genommen. Er sei aber nicht gewalttätig. Auch wenn er streng wirke, sei er ein Mann mit „weichem Kern“. Der Prozess geht Dienstag weiter. Kerstin Gehrke

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