Versuchte Tierquälerei : Rasierklingen im Hundeköder

Von außen sahen sie wie selbstgemachte Leckerbessen für Hunde aus, doch in ihrem Inneren befanden sich winzige Rasierklingen. In der Jungfernheide legten Tierquäler Fallen für Hunde aus.

von
Das Ordnungsamt Charlottenburg warnt vor in der Jungfernheide ausgelegten Hackfleischbällchen, in denen Rasierklingen versteckt waren.
Das Ordnungsamt Charlottenburg warnt vor in der Jungfernheide ausgelegten Hackfleischbällchen, in denen Rasierklingen versteckt...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Hundehalter haben im Volkspark Jungfernheide in Charlottenburg etwa 30 präparierte Hackfleischbällchen entdeckt. Wer die gefährlichen Köder ausgelegt hat, ist bisher nicht bekannt. Noch ist kein Vierbeiner zu Schaden gekommen, doch wenn Hunde die Bällchen fressen, können sie innerlich verbluten.

Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hat mittlerweile Warnschilder anbringen lassen. „Wir nehmen den Vorfall sehr ernst“, sagt Jugendstadtrat Reinhard Naumann (SPD), der zurzeit seinen für öffentliche Ordnung zuständigen Kollegen vertritt. Der große Aufwand, mit dem der Täter die Hackfleischbällchen frisch zubereitet und mit Klingen versehen habe, sei erschreckend. Er befürchtet, dass noch mehr präparierte Köder auftauchen. „Deshalb verstärkt das Ordnungsamt die Kontrollen im Volkspark Jungfernheide“, sagt Naumann. Da der bloße Versuch der Tierquälerei nicht strafbar ist, ermittelt die Polizei bislang nicht.

Viele Hundehalter zeigen sich im Park besorgt. „Rasierklingen in Hackbällchen sind eine Schweinerei“, sagte etwa der Anwohner Hans Henning. Er hat zwei Langhaarschäferhunde und spaziert mit ihnen täglich durch den Park. „Die Hunde schnüffeln überall. Sie können schnell etwas fressen, bevor ich es sehe“, sagte der 63-Jährige.

Andere Parkbesucher beschweren sich dagegen über freilaufende Hunde. „Die Halter lassen den Hundekot einfach liegen und achten nicht auf ihre Tiere“, sagt ein Mann Charlottenburg. Einmal hätte er zwei miteinander spielende Hunde fast umgefahren, weil sie vor sein Fahrrad gerannt seien. „Hunde sind unberechenbar und gehören an die Leine, aber an den Leinenzwang halten sich hier die Wenigsten“, sagt der 67-Jährige Radler. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zeigten seiner Meinung nach zu wenig Präsenz. Jogger Heiko Schulze, 32, brachte mehr Verständnis auf – obwohl ihm bereits ein Hund zwischen die Beine gelaufen sei. „Das liegt an der Erziehung des Hundes, nicht am Tier selber“, sagt der Freizeitsportler. Jogger, Fahrradfahrer, Spaziergänger und Hundebesitzer sollten mehr Rücksicht aufeinander nehmen.

Der Widerstand gegen Hundehalter wächst - davon ist Marcel Gäding, Pressesprecher des Berliner Tierschutzvereins überzeugt. Er spricht von einer „verhärteten Front zwischen Hundehaltern und Hundehassern“. Für den Frust über die Vierbeiner gibt er mehrere Gründe an: „Nicht entfernte Hundehaufen, die von vielen ignorierte Leinenpflicht in Parkanlagen, schlecht erzogene Hunde.“ Da aber die Tiere viel Auslauf bräuchten, sollten sie nicht an die Leine. Sein Vorschlag: „Wir benötigen dringend mehr Hundeauslaufgebiete.“ Bisher gebe es in ganz Berlin nur 32 ausgewiesene Flächen. Gäding fordert doppelt so viele. Gerade in den Innenstadtbezirken würde Hunden nicht genügend Auslauf geboten.

Stadtrat Naumann fordert die Parkbesucher zur Mithilfe auf. „Wir hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung“, sagte er. Wem etwas im Volkspark Jungfernheide auffalle, der kann sich an das Ordnungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf wenden, entweder per Telefon über die Nummer 902 92 91 06 oder über eine E-Mail an ordnungsamt@charlottenburg-wilmersdorf.de.

73 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben