Von identischem Auto überholt : Zoll erklärt, warum Schmuggler Autokennzeichen kopieren

Es war ein Zufall, der eigentlich fast unmöglich ist - aber nur fast: Nachdem ein Autofahrer von einem baugleichen Fahrzeug mit gleichem Kennzeichen überholt worden war, erklärt ein Zollfahnder die Methode der Gauner.

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Beim Lesen der Meldung wollte selbst Zollfahnder Thomas Graminsky, der seit Jahrzehnten im Job ist, kaum glauben, was dort im Protokoll stand: Ein Brandenburger Autofahrer ist auf der A2 nahe Potsdam von einem baugleichen Transporter, einem dunkelgrünen Mercedes Vito, mit gleichem Kennzeichen überholt worden. Wie berichtet, rief der verblüffte Fahrer die Polizei. Nun sitzt der Fahrer des anderen Autos, ein Pole im Gefängnis - in dem Kleintransporter waren 500000 geschmuggelte Zigaretten entdeckt worden.

"So einen Zufall gibt es so gut wie nie, also ich habe so etwas zuvor noch nicht gehört", schildert der Zollbeamte. Hinzu sei noch gekommen, dass die Polizeistreife in Wollin gerade in der Nähe war und das verdächtige Fahrzeug schnell stoppen konnte. "Sonst wäre der Fahrer ja schnell weg gewesen", sagt Graminsky.

Doch hinter alle dem steckt eine Methode, die Gauner seit einiger Zeit nutzen, um ihre kriminellen Geschäfte möglichst unbemerkt machen zu können: Die Kriminellen wollen möglichst unbemerkt aus Polen geschmuggelte Zigaretten über den Landweg in westdeutsche Städte oder über die Grenze bis ins benachbarte europäische Ausland bringen. "Ein Transporter mit polnischem Kennzeichen würde - weil er ins Raster passt - von den Zollfahndern öfter heraus gewunken und kontrolliert werden", beschreibt er. Also machen die Gauner folgendes: Sie schauen sich in Deutschland nahe dem polnischen Grenzgebiet einen Transporter einer gängigen Firma aus, dessen Farbe möglichst häufig im Stadtbild erscheint. Von diesem Fahrzeug notieren sie das Kennzeichen und lassen es illegal nachpressen. Die kopierten Kennzeichen schrauben die Täter dann an ein baugleiches Fahrzeug mit derselben Farbe. "Wenn sie nun ihre Schmuggelware durch Deutschland fahren und dabei mal abgefragt werden, dann passiert meist nichts: Denn das Kennzeichen passt zum Autofabrikat und der Halter ist meist ein Deutscher", erklärt Graminsky. Dass nun der Original-Halter kürzlich ausgerechnet vom kopierten Fahrzeug überholt werden könnte, damit haben selbst die ausgebufftesten Gauner offenbar nicht gerechnet.

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