Vor Gericht : Erpresser wollte Gebühren kassieren - Bewährungsstrafe

Vier Millionen Euro wollte ein 60-jähriger Berliner mit einer Erpressung ergaunern: Er schrieb vor der letzten Fußballweltmeisterschaft 93.000 Haushalte in Baden-Württemberg an und drohte mit Abschaltung des Satellitenempfangs.

BerlinWegen Erpressung wurde ein arbeitsloser Versicherungskaufmann am Freitag vor dem Amtsgericht Tiergarten zu 21 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 60-jährige Berliner im Jahr 2006 eigens eine Firma gründete, um auf betrügerische Weise Fernsehgebühren vor Beginn des Fußballturniers zu erpressen.

Einen Monat vor Beginn der WM hatte der Angeklagte 93.000 Adressaten in Baden-Württemberg angeschrieben und mit der Abschaltung des Satellitenempfangs gedroht, wenn eine Jahresgebühr von 78 Euro nicht innerhalb von zwei Wochen gezahlt wird. Gegenstand der Anklage waren jedoch nur 200 Schreiben, wobei lediglich die Hälfte der Angeschriebenen auf den Betrug hereinfielen. Von dem ergaunerten Geld sah der Berliner aber keinen einzigen Cent. Sein Konto war von der Bank umgehend gesperrt und die Beträge zurücküberwiesen worden.

Irrationale, aber eiskalt kalkulierte Tat

Der Angeklagte habe auf die Panik der Leute vor der WM gesetzt, sagte die Richterin. Zwar sei es eine irrationale Tat gewesen, er habe sie aber "groß angelegt, gut organisiert und eiskalt kalkuliert". Der Mann gab an, er habe mit über vier Millionen Euro Gewinn gerechnet. "Ich wollte, dass in meinem Leben was passiert und damit Aufmerksamkeit erreichen", sagte der 60-Jährige vor Gericht. Dabei sei es ihm egal gewesen, ob er am Ende "superreich" sei oder ins Gefängnis komme. Er sei damals "völlig neben der Spur gewesen", fügte er hinzu. Wenn seine Frau ihn nicht verlassen hätte, wäre es wahrscheinlich nie dazu gekommen. (kda/ddp)

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