Vorfall in Berlin-Reinickendorf : Suche nach Gehweg-Raser geht weiter

Ein Auto raste am Freitagabend auf eine Menschengruppe in Reinickendorf zu. Der Mieter des Wagens saß aber offenbar nicht am Steuer. Dennoch ermittelt die Polizei jetzt gegen ihn - wegen mutmaßlichen Drogenhandels.

von
Ein Polizeibeamter sichert am 11.11.2017 am Wilhelmsruher Damm Spuren.
Ein Polizeibeamter sichert am 11.11.2017 am Wilhelmsruher Damm Spuren.Foto: dpa/Paul Zinken

Der 35 Jahre alte Marokkaner hat nicht selbst am Steuer des Mietwagens gesessen. Die Fahndung nach dem Fahrer, der am Freitagabend mit einer Flucht über den Gehweg sieben Passanten in Lebensgefahr brachte, läuft also weiter. Wie berichtet, hatte sich der Gesuchte am Samstagnachmittag bei der Polizei gestellt. Badr El-K. wurde am Samstag dennoch festgenommen – wegen mutmaßlichen Drogenhandels.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Wedding hatte die Polizei in der Nacht ein „weißes Pulver“ gefunden, das sich mittlerweile als Kokain herausstellte. Die Menge sei so groß, dass die Polizei von gewerbsmäßigen Handel ausgeht, nicht von Eigenkonsum. Für eine Vorführung beim Haftrichter reichte die Menge aber nicht, auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde El-K. am Sonntagnachmittag entlassen. Die Ermittlungen gegen ihn dauern an.

Wer war es dann? Angaben zum Fahrer "sehr unpräzise"

Der Vorfall am S-Bahnhof Wittenau war zunächst als möglicher islamistischer Anschlag gewertet worden. Denn erste Ermittlungen ergaben schnell, dass der Marokkaner einen hochwertigen Mercedes gemietet hatte, polizeibekannt war zudem, dass er seinen Pass als verloren gemeldet hatte. All dies hatte ihn verdächtig gemacht. Zeugen hatten am Freitagabend gegen 20.10 Uhr das Kennzeichen des Wagens abgelesen, so kamen die Ermittler über den Autoverleih schnell an Namen und Adresse des Mannes. Doch am Sonnabend ermittelte die Polizei, dass der Mercedes nicht zielgerichtet auf den Gehweg gefahren sei, sondern einem wendenden Auto ausweichen wollte.

Bei der Polizei sagte der Marokkaner aus, dass er den Wagen nicht selbst gefahren sei. Zeugen des Vorfalls am Wilhelmsruher Damm hatten den Fahrer auch anders beschrieben. Wem er den Autoschlüssel gegeben hat, wollte oder konnte Badr El-K. nicht sagen, die Angaben seien „sehr unpräzise“, hieß es im Polizeipräsidium. Zwei Tage nach dem Vorfall fehlt also von beiden Autos und beiden Fahrern jede Spur. Der gemietete schwarze Mercedes muss deutlich beschädigt sein. Zunächst hatte der Unbekannte einen Bus und dann einen abgestellten Roller gerammt. Auf der etwa 50 Meter langen Fahrt über den Gehweg konnten sieben Passanten in letzter Sekunde beiseite springen. Der Bereich vor dem U- und S-Bahnhof mit zahlreichen Bushaltestellen ist zu jeder Tageszeit belebt.

Autor

27 Kommentare

Neuester Kommentar