Wachdienst an Schulen : Ein Gefühl von Sicherheit

Nach Ostern wird die Schilling-Förderschule als 17. Schule in Neukölln unter Wachschutz gestellt, weil die Schulleitung keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat. Auch hier sollen die Sicherheitskräfte die Gewalt von außen eindämmen. Bisher hat das ganz gut funktioniert.

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Torsteher: Wachschützer der Firma Prodiac (früher Germania) schützen Neuköllns Schulen -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Zwei Männer in dunklen Jacken stehen vor einem eisernen Tor und werfen düstere Blicke in den Berliner Winter. Hin und wieder kontrollieren sie eine Tasche oder patrouillieren vor dem Backsteingebäude, das sie beschützen sollen. Doch die Sicherheitskräfte stehen nicht etwa vor einem Gerichtsgebäude, schützen keine Botschaft. Sie stehen vor einer Schule. In Neukölln ist dieses Szenario an sechzehn Schulen bereits seit mehr als zwei Jahren Alltag.

Nun erhält die Schilling-Förderschule in Britz erhält als 17. Neuköllner Schule regelmäßigen Wachschutz. Nach den Osterferien werden auch hier private Sicherheitskräfte der Firma Prodiac patrouillieren, wie Neuköllns Bezirksstadtrat Wolfgang Schimmang gegenüber Tagesspiegel Online bestätigte. „Die Schillingschule hat uns angerufen und um Hilfe gebeten“, erklärt Schimmang. „Und wir konnten uns der ganzen Sache nicht verschließen. Denn wenn die anderen Schulen Schutz bekommen, muss die Schillingschule in jedem Fall auch geschützt werden.“ An der Schillingschule werden derzeit etwa 450 sprach- und körperlich behinderte Kinder unterrichtet.

In den vergangenen Monaten wurden die Schüler immer wieder von schulfremden Personen angegangen. Zudem kam es wiederholt zu Diebstählen. Zuletzt häuften sich die Vorfälle, denen die Schulleitung weitestgehend hilflos gegenüber stand. „Es gab wiederholt Übergriffe durch vermummte Personen, die in die Schule eingedrungen sind“, berichtet die Schulleiterin Annette Dieden-Schmidt.
„Das hat das Lehrpersonal, aber auch mich, einfach überfordert."

Deshalb hat die Schulleitung der Schillingschule bei Wolfang Schimmang um Hilfe gebeten. Denn: „Ohne Hilfe von außen sind wir hoffnungslos verloren“, erklärt Dieden-Schmidt. Allein die Größe der Schule mache es den Lehrkräften unmöglich, zu jeder Zeit überall für Sicherheit zu sorgen. Ein weiterer Grund für die Bitte um professionellen Schutz war aber auch das Gefühl der Lehrkräfte, ohne Wachschutz weiter ein leichtes Ziel für Übergriffe zu sein. „Ich habe das Gefühl, dass sich die Täter bewusst Schulen aussuchen, vor denen noch keine Wachmänner stehen“, bestätigt Dieden-Schmidt.

Wolfgang Schimmang hat den Hilferuf jedenfalls erhört, womit die Schillingschule nun die 17. Schule unter Wachschutz ist, seitdem das von Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky konzeptionierte Projekt am 7. Dezember 2007 angelaufen ist. Damals wurden an 15 Schulen professionelle Wachschützer postiert, kurze Zeit später noch an einer weiteren. Sie sollten die Übergriffe von schulfremden Personen und Gewalttaten auf dem Schulgelände eindämmen. Das Neuköllner Wachschutz-Projekt für öffentliche Schulen war in dieser Form einzigartig in Deutschland. Zuvor gab es Wachschutz nur in privaten oder jüdischen Schulen.

Die Schillingschule ist nun nach zwei Jahren der erste Neuzugang auf der Liste der schutzbedürftigen Lehranstalten, die nicht nur von außen sicherer gemacht werden sollen. Ergänzend zu dem sichtbaren Schutz vor dem Schultor wird in den Schulen auch in den Klassenräumen eingegriffen. Laut Schimmang habe man sich auch intensiv darum gekümmert, den inneren Frieden in den Schulen zu sichern. Zu diesem Zweck wurden in Neukölln so genannte Schulstationen eingerichtet, in denen jeweils ein Sozialpädagoge und ein Erzieher Gewalteskalation an den Schulen präventiv begegnen sollen.

Die Gewalt an den Schulen können aber weder Wachmänner noch Schulstationen gänzlich verhindern. Eher sind beide Projekte als Eindämmungspolitik zu bewerten. Weshalb auch Schimmang zugibt: „Ich wäre schon froh, wenn die Gewalt dadurch zum Stillstand käme.“

Bisher ist zumindest das gelungen. Denn: „Es hat seitdem an diesen Schulen keine Übergriffe von außen nach innen gegeben“, versichert Schimmang. „Wir wollten ein Gefühl von Sicherheit verbreiten und das ist uns gelungen.“

Auf dieses Gefühl von Sicherheit hoffen nun auch die Lehrkräfte an der Schillingschule. Noch müssen sie mindestens bis nach Ostern darauf warten.


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