Wannsee : Geistliche des Don-Bosco-Heims unter Missbrauchsverdacht

Die Missbrauchsvorwürfe gegen katholische Geistliche reißen nicht ab. Auch im ehemaligen Kinderheim des Ordens "Salesianer Don Bosco" in Wannsee sollen sich Erzieher an Minderjährigen vergangen haben.

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Die Missbrauchsvorwürfe gegen katholische Geistliche reißen nicht ab. Auch im ehemaligen Kinderheim des Ordens „Salesianer Don Bosco“ in Wannsee sollen sich Erzieher an Minderjährigen vergangen haben. Noch unbestätigten Vorwürfen zufolge sollen Patres in den 50er, 60er und 70er Jahren Jungen geschlagen, in einigen Fällen auch vergewaltigt haben. Das Haus des Don-Bosco-Werks ist 2005 nach 50 Betriebsjahren wegen Geldmangels geschlossen worden. Bis 1997 wohnten dort Waisenjungen und jugendliche Straftäter, erst danach wurden auch Mädchen in der Sozialeinrichtung untergebracht. Ende der 90er soll der Rapper Bushido dort eine Ausbildung zum Maler und Lackierer gemacht haben.

Nach Tagesspiegel-Informationen handelt es sich bei den Berliner Verdächtigen um sechs Geistliche. Drei davon sind dem Orden zufolge inzwischen verstorben, einer hat die Gemeinschaft verlassen, zwei Beschuldigte gehören dem Orden heute noch an. Diese beiden weisen nach Auskunft des Ordens die Vorwürfe zurück. Auch etwaige Vorfälle in einem 1997 geschlossenen Augsburger Schülerheim der Glaubensgemeinschaft werden geprüft. „Wir gehen jedem Missbrauchsvorwurf, sei er sexueller oder anderer Natur, mit großem Nachdruck und ohne Ansehen der Person nach und versuchen, die Sachverhalte – auch wenn sie weit zurückliegen – aufzuklären“, sagte Ordenssprecherin Gabriele Merk. Bisher gebe es jedoch keine Beweise für die erhobenen Vorwürfe. „Aber die Recherchen sind noch nicht abgeschlossen. Sie werden von internen und außenstehenden Personen vorgenommen.“ Der Provinzial der Salesianer entschuldigte sich für alles Leid, das Menschen in einem der Ordenshäuser zugefügt worden sein könnte. Eine zweite Berliner Ordenseinrichtung in Marzahn sei nicht betroffen. In dem erst vor zwei Jahren eröffneten Zentrum werden sozial schwache Jugendliche auf eine Ausbildung vorbereitet.

Die 1859 in Italien gegründete und nach dem Heiligen Franz von Sales genannte Glaubensgemeinschaft in der katholischen Kirche zählt weltweit etwa 16 000 Mitglieder. Die Salesianer sind in 129 Staaten aktiv und unterhalten mehr als 7000 Einrichtungen. Nach den Jesuiten gilt der Orden als die zweitgrößte männliche Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche.

In den vergangenen Wochen hatten sich mehr als 100 frühere Schüler von Jesuiten-Gymnasien, so dem Berliner Canisius-Kolleg, an die Öffentlichkeit gewandt. Sie berichteten von regelmäßigen Erniedrigungen durch sadistische Patres. Ebenfalls des Missbrauchs verdächtigt werden inzwischen auch Ex-Mitarbeiter von Häusern der Vinzentinerinnen und Franziskaner vor allem in Süddeutschland. Am Wochenende hat sich Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in die Debatte eingeschaltet. „Die Ministerin erwartet von der katholischen Kirche konkrete Maßnahmen für eine lückenlose Aufklärung“, sagte ein Sprecher der FDP-Politikerin dem Tagesspiegel. Geeignet sei auch ein Runder Tisch aus Vertretern der Behörden, der Kirche und der Opfer. Am Montag kommt die deutsche Bischofskonferenz in Freiburg zusammen. Papst Benedikt XVI., der kürzlich den Missbrauch tausender Kinder durch irische Priester verurteilt hatte, hat sich zu den deutschen Vorfällen noch nicht geäußert.

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